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Was nützen Sanktionen?

WWF-Expertin über die Halbzeitbilanz der Artenschutzkonferenz

JANPAI ONGSIRIWITTAYA, Expertin für Wildtierhandel beim WWF, zieht ein gemischtes Resumee der ersten Woche der Artenschutzkonferenz CITES. Mit ihr sprach MICHAEL LENZ.

nd: Der WWF und andere Tierschutzorganisationen sind mit dem Verlauf der ersten Woche der UN-Artenschutzkonferenz CITES nicht glücklich. Mehr Schutz für die bedrohten Eisbären wurde abgelehnt. Auch für Haie, Mantarochen und andere Arten sieht es nicht gut aus. Gehen Sie mit Pessimismus in die zweite Woche?
JANPAI ONGSIRIWITTAYA: Es geht nicht um Optimismus oder Pessimismus, sondern um wissenschaftliche Fakten und Politik. Auf dieser Konferenz ist der Wille sehr stark, gegen Verbrechen an Wildtieren vorzugehen.

Ob angesichts des politischen Geschachers zwischen den Vertragsstaaten der Wille in Entscheidungen mündet, ist aber fraglich. Gastgeber Thailand, aber auch China und Japan lehnen den Schutz von Haien und Rochen ab.
Länder wie Thailand sind in ihrem Handeln eingeschränkt, weil sie nicht über die wissenschaftlichen Mittel verfügen wie westliche Länder. Die Behörden haben kaum Informationen über Besonderheiten wie die Biodiversität in spezifischen Gegenden.

Studien, so zum Rückgang der Zahl der Haie, sind dank Internet doch aber global zugänglich?
Das stimmt natürlich. Aber viele Argumente der thailändischen Delegierten ergeben einfach keinen Sinn. Ob sie die Studien nicht gelesen oder verstanden haben, oder ob die Informationen nicht ausreichten, kann ich nicht sagen.

Organisationen wie der WWF schlagen auf der Konferenz sehr diplomatische Töne an. Wäre es nicht Zeit für deutliche Kritik?
Nur mit lauten Protesten erreichen wir nichts. Wir müssen unser Handeln an Fakten ebenso wie an politischen Analysen ausrichten. Wenn wir aber sehen, dass Länder sich nicht an das Artenschutzabkommen halten, fordern wir Sanktionen. Wie jetzt gegen Thailand und sieben andere Länder, die als Hauptakteure des Elfenbeinhandels gelten. Sanktionen bedeuten, dass der legale Handel mit den von CITES regulierten Arten ausgesetzt wird. Das trifft direkt die Wirtschaft des betroffenen Landes. Im Fall von Thailand würde das Verbot des Handels, vor allem mit Orchideen und Krokodilhäuten, Milliardenverluste bedeuten.

Was sagen Sie zu Gerüchten, Länder wie China würden durch das Versprechen großzügiger Entwicklungshilfe Stimmen afrikanischer Länder kaufen?
Ländergruppen wie ASEAN oder auch die EU haben ihre Positionen abgesprochen. Dabei spielen auch politische Interessen eine Rolle. Das ist normal auf Konferenzen. Ob einige Länder Stimmen kaufen, weiß ich nicht.

CITES hat sich in der Vergangenheit mit seiner Forderung an Thailand, China, Malaysia und afrikanische Länder nach einem Ende des Elfenbeinhandels nicht durchsetzen können. Warum sollten sich diese Staaten von Sanktionsdrohungen schrecken lassen?
Wenn die Vertragsstaaten nichts unternehmen, stellt das den gesamten CITES-Mechanismus in Frage. Das ist den angesprochenen Ländern bewusst. Man muss aber auch die Ziele von CITES genauer debattieren. Steht der Handel mit Tieren und Pflanzen im Vordergrund oder der Artenschutz? Diese Frage ist weiter offen. Ich hoffe, dass die Konferenz dazu etwas mehr Klarheit bringt.

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