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Trotz alledem: Es regnet Doktortitel

Software und Kommissionen: Märkische Universitäten stellen sich auf Plagiatsproblematik ein

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 2 Min.

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Spektakulär sind erschlichene Doktortitel in höchsten Ebenen der Bundespolitik enttarnt worden. Das hat auch Universitäten in Brandenburg aufgeschreckt. Doch die Promotionsflut wurde deswegen nicht eingedämmt, im Gegenteil.

Zwischen 2005 und 2011 wuchs die Zahl der Promotionen im Bundesland von 316 auf 386. Weil es allerdings insgesamt mehr Hochschulabschlüsse gab, sank der Anteil der Promotionsabschlüsse in dieser Zeit von 6,9 auf 4,6 Prozent. Das ergibt sich aus einer Antwort von Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (für SPD) auf eine große Anfrage der FDP zur »Forschungslandschaft in Brandenburg - Stand und Perspektiven«.

Das Bundesland liegt demnach mit seiner Promotionsrate deutlich unter jenen Ländern, deren Universitäten im Unterschied zu Brandenburg die Fachrichtungen Humanmedizin, Veterinärmedizin und Pharmazie anbieten.

Ähnlich wie in anderen Bereichen, wo man eine Lehre zum Bankangestellten beispielsweise nur bekam, wenn man ein Abiturzeugnis vorlegen konnte, ist die Promotion auch in vielen Leitungsebenen immer mehr obligatorisch. Dadurch und auch durch die wachsende Prestigemanie in der deutschen Gesellschaft ist der wachsende Drang zum Titel zu erklären. Die Landesregierung feuert hier noch an und will Anreize für Promotionen geben. Aspiranten können sich um ein Graduiertenstipendium von 1000 Euro monatlich bewerben. Im Landeshaushalt sind 310 000 Euro dafür bereitgelegt.

Die Universitäten, deren Ansehen durch die aufgedeckten Betrugsfälle großen Schaden genommen hat, bemühen sich auch in Brandenburg, »Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Promotionsverfahren« durchzusetzen, ist der Antwort der Wissenschaftsministerin zu entnehmen. So sei an der Technischen Universität Cottbus in allen Studiengängen die Aufklärung über das korrekte Zitieren und die Verwendung von Quellen intensiviert worden. Sogar Seminare zu diesem Thema werden gelegentlich angeboten. »Zur Überprüfung von Arbeiten steht eine Plagiatssoftware zur Verfügung.« Die Hochschule habe eine Satzung zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis erlassen, heißt es. Es existiere in Cottbus ferner eine Kommission zur Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre werde die Rahmenpromotionsordnung überarbeitet. An der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) werden die Studierenden schon in Vorlesungsverzeichnissen und Einführungsveranstaltungen darauf hingewiesen, »dass Plagiate kein Kavaliersdelikt sind«. Richtlinien der Universität zur Vermeidung wissenschaftlichen Fehlverhaltens gehen auf die Plagiatsproblematik ein. An der Juristischen Fakultät wurde eine Plagiatssoftware angeschafft. Auch die Universität Potsdam erarbeitet laut Ministerin Kunst »im Hinblick auf Plagiatsfälle derzeit eine Rahmenpromotionsordnung, auf deren Grundlage alle Promotionsordnungen sukzessive angepasst werden sollen«.

Heute zeigt der private Fernsehsender Sat.1 übrigens eine filmische Parodie auf den Fall des wegen Betruges bei seiner Promotion zurückgetretenen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

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