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Tintenfische heben ab

Seeleute erzählten schon lange von fliegenden Tintenfischen. Nun hat Jun Yamamoto von der japanischen Universität Hokkaido im Fachblatt »Marine Biology« erstmals näher beleuchtet, wie Kalmare der Art Onychoteuthis borealijaponica fliegen. »Die Studie zeigt, dass der Tintenfisch nicht einfach gleitet, nachdem er das Wasser verlassen hat, sondern dass er während der verschiedenen Flugphasen einen Jetantrieb und verschiedene Körperhaltungen nutzt«, heißt es in der Studie.

Mit Hilfe eines Wasserstrahls katapultieren sich die Tintenfische in die Luft und breiten ihre »Flügel« und die Arme aus. Bis zu 33 Meter schaffen die Kalmare auf diese Weise mit einer Geschwindigkeit von sagenhaften 11,2 Metern pro Sekunde. Zum Vergleich: Sprintstar Usain Bolt kommt »nur« auf 10,31 m/s.

Das »biomechanische Fliegen« der Tintenfische mit Düsenantrieb beschreibt der Meeresbiologe mit fast lyrischer Begeisterung: »Die Tintenfischschwärme durchstoßen simultan die Wasseroberfläche und streben alle in die gleiche Richtung, während sie den Wasserstrahl ausstoßen der Prozess des Fliegens ist fast synchron.« Den Wiedereintritt ins Wasser hätten die Kalmare »mit nur kleinen Spritzern und minimaler Störung der Wasseroberfläche« gemeistert.

Wie aber haben die Tintenfische das Fliegen gelernt und dann auch noch eine ausgefeilte Technik entwickelt? »Man weiß nicht, wie sie das Fliegen entdeckt haben«, antwortet Yamamoto auf »nd«-Anfrage. »Ich glaube, sie haben dieses Verhalten als zweite Verteidigungslinie gegen Fressfeinde wie Thunfische und Delfine entwickelt. Tintenfische, die weiter fliegen können, haben bessere Überlebenschancen.«

Die Flucht durch die Luft hat jedoch einen Haken. Ein Foto von Yamamoto zeigt nämlich, wie ein Rotfußtölpel einen fliegenden Tintenfischschwarm verfolgt. Dieser Seevogel findet Tintenfische sehr lecker. Ob der Tintenfischjetset auch einen Trick für die gierigen Vögel auf Lager hat, weiß man nicht. Yamamoto sagt: »Als nächstes wollen wir die Interaktion zwischen Tintenfisch und Seevogel beobachten.«

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