Die etwas andere Auferstehung

Der Kapitalismus ist ein Vampir. Seine Opfer werden zu Zombies. Das bedeutet: Jeder kann ein Untoter werden

  • Von Georg Seeßlen
  • Lesedauer: ca. 7.0 Min.

»They are us.«
George A. Romero

I

Zombies sind ein kolonialer Mythos, der in den Untergrund des kapitalistischen Grauens abgewandert ist. Eine Unterstellung des christlich-kolonialistischen Blicks gegenüber den »Eingeborenen«: die Entseelung des Menschen durch Gift und Trance. Die Opfer werden durch einen Trank so gelähmt, dass man sie für tot halten kann, und dann steigen sie wieder aus dem Grab. Als willenlose Werkzeuge in den Händen der Magier. Und daraus wird der feuchte Traum des Kolonialisten: Sind solche willenlosen, schlafwandlerischen Menschen nicht die idealen Arbeitssklaven? Wo sich die beiden Mythen treffen, entsteht die Legende vom »Aufstand der Zombies«. Der willenlose und doch nicht beherrschbare Mensch ohne Bewusstsein. Die Auferstehung des Menschen als seine eigene Negation. Der Zombie ist eine irreale Zahl in der Rechnung der Schöpfung, der Religion, der Ordnung, der Ökonomie. Ein vernichtendes Nichts...


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