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Der Kronprinz fordert heraus

Norwegens Schachgenie Magnus Carlsen gewinnt das WM-Kandidatenturnier

  • Von Dagobert Kohlmeyer
  • Lesedauer: 3 Min.
Der erst 22 Jahre alte Norweger Magnus Carlsen hat in einem dramatischen Finale das Londoner Schachkandidatenturnier gewonnen und darf nun Weltmeister Viswanathan Anand zum Titelduell herausfordern.

Magnus Carlsen hat es geschafft: Der Kronprinz des Schachs aus Norwegen ist Herausforderer von Weltmeister Viswanathan Anand (Indien). Mit dem Sieg im Londoner Kandidatenturnier zur Schach-WM wurde der Weltranglisten-erste seiner Favoritenrolle gerecht. Der 22-jährige Ausnahmekönner beendete den Wettbewerb mit 8,5 Punkten aus 14 Partien. Zweiter wurde der Russe Wladimir Kramnik mit ebenfalls 8,5 Punkten, aber einer Gewinnpartie weniger. Das gab den Ausschlag zugunsten von Carlsen, der sich im direkten Vergleich zweimal remis von Kramnik getrennt hatte.

Die Schlussrunde war an Dramatik kaum zu überbieten, weil die Nerven der beiden Spitzenreiter blank lagen. Kramnik setzte mit Schwarz gegen den Ukrainer Wassili Iwantschuk alles auf eine Karte, um Carlsen noch zu überholen, wurde aber ausgekontert. Carlsen verlor mit Weiß überraschend gegen den Russen Peter Swidler, sein Springer hatte sich in der feindlichen Stellung verirrt. Doch die beiden Turnierbesten besaßen vor dem letzten Spieltag schon 1,5 Punkte Vorsprung, so dass sie von der Konkurrenz nicht mehr eingeholt werden konnten.

Tragischer Held des Turniers war neben dem knapp geschlagenen Exweltmeister Kramnik der Armenier Levon Aronjan. Der in Berlin lebende Großmeister hatte bis zur achten Runde gemeinsam mit Carlsen das Achterfeld angeführt, kassierte dann aber in der Rückrunde zwei Niederlagen. Das reichte am Ende nur zu 8,0 Punkten und dem dritten Platz.

Carlsens Sieg löste in seiner Heimat Norwegen große Begeisterung aus. Seit dem Höhenflug des jungen Schachgenies ist der Denksport in dem skandinavischen Land unglaublich populär geworden. 2014 richtet das norwegische Tromsö sogar die nächste Schacholympiade aus. Die Randsportart Schach braucht dringend Helden, die ihr in der Öffentlichkeit bescheidenes Image aufpolieren. Im Jahre 1972 war es der Amerikaner Bobby Fischer, der nach seinem WM-Sieg in Reykjavik über Boris Spasski (UdSSR) einen Schachboom in den USA auslöste. Carlsen erinnert in seiner ganzen Art nicht wenig an den Amerikaner. Er fläzt mitunter wie Fischer in seinem Sessel, während in seinem Kopf unzählige Denkprozesse ablaufen. Auf dem Schachtisch stehen stets Orangensaft und Milch.

Der Norweger lebt so sportlich wie früher Fischer, und er spielt sogar so ähnlich Schach wie dieser. Schon kleine Ungenauigkeiten seiner Gegner bestraft Carlsen gnadenlos. Wo andere ein Remis anbieten, fängt bei ihm die Partie erst an. Dann knetet er seine Gegner im Endspiel so lange, bis sie dem Druck nicht mehr standhalten. So geschehen am Ostersonntag, als er den Aserbaidshaner Teimur Radjabow nach sieben Stunden Spielzeit niederrang.

Ende gut alles gut: Nach der Zitterpartie zum Finale mit dem glücklichen Ende zeigte sich Magnus Carlsen froh und erleichtert. »Ich werde Anand einen großen WM-Kampf liefern« versprach er. Das Weltmeisterschaftsfinale wurde für November 2013 angesetzt. Ein Spielort steht noch nicht fest.

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