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Konzept für Gedenkstätten gesucht

Schleswig-Holstein will Versäumnisse aufarbeiten

  • Von Dieter Hanisch, Bad Malente
  • Lesedauer: 3 Min.
Die von SPD, Grünen und SSW getragene Landesregierung Schleswig-Holsteins will erklärtermaßen das Gedenken an die Verbrechen der Nazi-Diktatur im Land besser fördern. Kulturministerin Anke Spoorendonk stellte unlängst klar, dass der bisherige Weg des Landes nichts anderes gewesen sei, als ein Wegschieben der Verantwortung staatlicherseits.

Schleswig-Holsteins Gedenkstättenarbeit war im bundesweiten Vergleich bislang nicht gerade her-ausragend. Das soll sich jetzt nach dem Willen von Kulturministerin Anke Spoorendonk (Südschleswigscher Wählerverband/SSW) ändern. Im Haushalt wurden die Landesmittel daher von 40 000 Euro auf - immer noch bescheidene - 120 000 Euro heraufgesetzt. Über die Bedeutung und die Notwendigkeit der Stärkung dieses Themenfeldes sind sich alle Beteiligten einig, zu Inhalt und Schwerpunktsetzung eines jetzt erstmals entstehenden professionellen Konzepts gibt es aber Meinungsverschiedenheiten. Das wurde kürzlich auf der 8. Landesgedenkstättentagung in Bad Malente deutlich, die von 50 Teilnehmern besucht wurde.

Eine Wanderausstellung?

Die von SPD, Grünen und dem SSW getragene Landesregierung Schleswig-Holsteins möchte sich auch Bundesfördergelder für die Gedenkstättenarbeit sichern, doch über das »wofür« gibt es noch keine Einigkeit mit den entsprechenden Einrichtungen, Historikern und Pädagogen. Spoorendonk, durch die eigene Familienbiografie sehr sensibilisiert für das Thema, stellte klar, dass der bisherige schleswig-holsteinische Weg mit Gründung einer Bürgerstiftung im Jahr 2002 nichts anderes gewesen sei, als ein Wegschieben der Verantwortung staatlicherseits.

Schleswig-Holstein habe auch nach 1945 noch über viele Jahre eine braune Geschichte gehabt, stellte die Ministerin fest. Diese Vergangenheit wurde nur marginal aufgearbeitet, und das dann meist noch durch zivilgesellschaftlich Engagierte und Ehrenamtler. Stephan Linck, Kirchenhistoriker aus Kiel, fordert deshalb beispielsweise eine museale Darstellung zur NS-Landesgeschichte - ein Zugang, der in der schleswig-holsteinischen Museumslandschaft gänzlich fehlt. Spoorendonk pflichtete ihm bei und plädierte für eine Wanderausstellung.

Uta Körby von der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte möchte gern, dass alle bestehenden Einrichtungen sich im neuen Konzept wiederfinden. Sie mahnt, dass bei Förderanträgen für womöglich nur zwei exemplarische »Leuchttürme« die Folgefinanzierung nicht unterschätzt oder vergessen werden dürfe. Andererseits müsse nach ihrer Ansicht die Arbeit der vielen kleinen, schon bestehenden Gedenkorte auf eine bessere Basis gestellt werden.

Projekt »Neulandhalle«

Vorschläge, dort mit 450-Euro-Minijobbern zu agieren, lehnt Körby jedoch ab. Vielmehr fordert sie die Einrichtung von zehn Lehrerpoolstunden für jede Gedenkstätte - ein Modell, wie es in Niedersachsen praktiziert wird. Es gelte, die Beschilderung, aber auch die Erreichbarkeit von Gedenkorten zu verbessern. Aus Lübeck wurden Stimmen laut, dass die Hansestadt einen Fehler begehe, wenn sie meine, sie könne geschichtliche Aufarbeitung nur auf ihr Buddenbrookhaus und das Willy-Brandt-Haus reduzieren.

Bei einem ersten Termin am Runden Tisch mit dem zuständigen Ministerium im November 2012 war auch über das angedachte Projekt »Neulandhalle« in Dieksanderkoog, dem früheren Adolf-Hitler-Koog, gesprochen worden. Das 1935 von den Nazis als Versammlungshalle in Dithmarschen errichtete Gebäude diente zuletzt als kirchliche Freizeitstätte, kann vom kirchlichen Träger nun aber nicht mehr finanziert werden. Um die Räumlichkeiten nicht in private Hände zu geben - womöglich mit der Gefahr, dass eine braune Pilgerstätte entsteht - möchte das Land dort einen Lernort für Aufklärung über die NS-Lebensraumpolitik schaffen.

Die Umsetzungspläne stoßen bei bestehenden Gedenkstätten nicht überall auf Zustimmung. Für den 22. April hat das Kulturministerium einen weiteren Gesprächstermin angesetzt.

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