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NSU-Akten und anderes Gerümpel

Theaterprojekt arbeitet rechte Mordserie auf

(epd/nd). Thomas, der Leiter des Jugendtreffs »Winzerclub«, hat keine Chance: »Wir könnten doch mal einen Ausflug machen«, schlägt er seinen grölenden Schützlingen vor. »Den kannste alleine machen«, schnauzt ihn eine der Gören in Bomberjacke an. Die Jugendlichen sind gut gelaunt, Quelle ihrer Stimmung sind allerdings Alkohol, Pöbelei und Fremdenfeindlichkeit. Thomas glaubt, dass der Neue in der Gruppe für diese Atmosphäre sorgt: Der Neonazi Uwe Mundlos.

Das ist die erste Szene von »Akte/NSU«, dem neuen Projekt des »dokumentartheaters berlin«. Der Prozess um die Hauptangeklagte im NSU-Mordprozess Beate Zschäpe beginnt am 17. April, eine erste öffentliche Probe von »Akte/NSU« steht schon an diesem Freitag auf dem Programm. Aufgeführt wird es im evangelischen Gemeinde- und Gedenkzentrum Berlin-Plötzensee - also in unmittelbarer Nähe zur Hinrichtungsstätte Plötzensee, in der zwischen 1933 und 1945 fast 3000 Menschen nach Unrechtsurteilen der NS-Justiz hingerichtet wurden.

Rund 40 Personen zwischen 13 und 50 Jahren aus ganz Berlin arbeiten an diesem Projekt mit. Sie sind Mitglieder des Berliner Theater- und Filmprojekts des Jugendcafés »Nightflight« sowie professionelle Schauspieler und weitere Mitarbeiter des »dokumentartheaters berlin«. »Meine Inszenierungen sind in einer sehr minimalistischen Form, was auch das Gesicht dieses Theater ausmacht«, sagt Regisseurin Marina Schubarth.

Der Name lässt schon erkennen, dass das »dokumentartheater berlin« mit authentischem Material arbeitet. Ging es in den vergangenen Produktionen noch um historische Ereignisse, ist das aktuelle Projekt darauf angelegt, den Zschäpe-Prozess zu begleiten und all die Geschehnisse darum herum dokumentarisch einzubauen. In dem Stück kommen Originalzitate aus Zeitungsartikeln, Plenarprotokollen und der Fachliteratur vor.

Mit diesen Mitteln hinterfragt das dokumentarische Theaterstück »Akte/NSU« das gesellschaftliche Klima, das zu den Morden führen konnte, sowie die Rolle der Politik und der Sicherheitsbehörden. So stellen die jungen Schauspieler eine Pressekonferenz nach, während der der Sonderermittler das Verschwinden von Akten erklärt: »Die Vernichtung von Akten zum Rechtsextremismus beim Berliner Verfassungsschutz war keine gezielte Vertuschung, sondern lediglich eine organisatorische Panne. Die Akten haben in einem Raum gelegen, in dem auch Gerümpel und Weihnachtsdekoration lagerten.«

Die Rollen werden jedoch nicht entlang ethnischer Zuschreibungen besetzt. Manche Darsteller mit türkischen Familienbezügen hätten sich dagegen gewehrt, das Opfer spielen zu müssen, erzählt Projektleiterin Judith Rahner. So gibt etwa Reçep el-Masri den deutschen Neonazi Uwe Böhnhardt. Das Stück dauerhaft auf dem aktuellen Stand zu halten, wird Geld kosten, weiß Schubarth: »Es läuft schon der nächste Antrag auf Finanzierung.« Ob es weitere Aufführungen geben wird, ist noch unklar.

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