Gefühle, klapperndes Geschirr

Volksbühne Berlin: Frank Castorf inszenierte vier Stunden Kulturkampf

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Der Besetzungszettel für eine Inszenierung schafft Ordnung im Personalgewusel: Text muss sein, aber bitte nicht alle durcheinander! Schau-Spiel heißt: Unverwechselbarkeiten herstellen, Trennschärfe, nicht Austauschbarkeiten! Oder doch Letzteres? Frank Castorf inszenierte an der Volksbühne am Berliner Rosa-Luxemburg-Platz »Das Duell« nach einem Kurzroman Anton Tschechows. Weil sich Jeanette Spassowa bei den Proben einen Rückenwirbel verletzte, sprang Silvia Rieger ein. In der zweiten Vorstellung konnte Kathrin Angerer nicht spielen (schwere Gehirnerschütterung), also teilten sich Silvia Rieger und Kathrin Wehlisch, neben dem eigenen Part, auch noch den Rollentext Angerers. Zudem spielen Frauen Männer. Ein Übersichtsverlust? Unbedingt. Ist aber egal, wenn man, wie Castorf, konsequent Brecht inszeniert: »Das Chaos ist vorbei. Es war die schönste Zeit.« Nein, nie vorbei, solch schönste Zeit ist immer! Jedenfalls an der Volksbühne.

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