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Fußball-WM 2018 in Gefahr

Kaliningrad, Samara und Saransk sind zu arm, behauptet die Ratingagentur Standard & Poor’s

  • Von Irina Wolkowa, Moskau
  • Lesedauer: 3 Min.

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Experten der internationalen Ratingagentur Standard & Poor’s, die schon so manchen Absturz auf den internationalen Finanzmärkten losgetreten hat, schlagen jetzt auch in Sachen Fußball Alarm: Die Weltmeisterschaft 2018 in Russland sei akut gefährdet. Der russische Fußballverband äußerte sich dazu bisher mit keiner Silbe, auch der Weltverband FIFA reagierte auf die Kassandra-Rufe der Analysten noch nicht. Kritische russische Medien dagegen zitierten ausführlich aus dem Papier.

Demzufolge verfügen von den insgesamt elf Städten, in denen die Spiele ausgetragen werden sollen, nur ganze vier über die dazu erforderliche Infrastruktur oder sind wohlhabend genug, um die Mängel termingerecht zu beheben. In den restlichen sieben Städten dagegen sei es nicht nur um die Stadien selbst schlecht bestellt, heißt es in dem Papier weiter. Auch Straßen, öffentlicher Nahverkehr und Hotels seien in »sehr schlechtem Zustand«. Besonders schlimm sieht es demzufolge in Kaliningrad - dem ehemaligen Königsberg - in Samara an der Wolga und in Saransk aus, der Hauptstadt der Teilrepublik Mordowien. Um würdige Gastgeber zu sein, benötigten diese drei Städte Mittel, die ihren gesamten Jahresetat beträchtlich übersteigen würden.

Mit Darlehen, so die Analysten, sei dem Problem nicht beizukommen. Sie würden die Städte über kurz oder lang in den Ruin treiben. Das wiederum würde negative Folgen für die Kreditwürdigkeit der gesamten Region haben und Investoren abschrecken.

Die Zentralregierung in Moskau, heißt es in der Studie, stehe somit vor der Wahl zwischen Pest und Cholera: substanzielle Abstriche bei Wettkämpfen und Begleitprogramm oder üppige Subventionen für die darbenden Gastgeberstädte. Das WM-Budget - im September 2012 waren offiziell 660 Milliarden Rubel (ca. 1,65 Milliarden Euro) veranschlagt worden - müsse dazu deutlich nach oben korrigiert werden. Experten rechnen bereits mit Mehrkosten von zweieinhalb Milliarden Euro, Pessimisten gehen sogar von einem zu korrigierenden Etat von etwa fünf Milliarden Euro aus.

Dass Kreml und Regierung sich für die Alternative Bescheidenheit begeistern können, gilt als unwahrscheinlich: Um die Vergabe der Fußball-WM hatte Moskau ähnlich verbissen gekämpft wie um den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele, die im Februar 2014 in Sotschi stattfinden.

Denn Fußball ist neben Eishockey die mit Abstand beliebteste Sportart. Dabei liegt Russland laut FIFA-Statistik bei Fußballer-Importen hinter England inzwischen auf Platz zwei der Weltrangliste. Für den Einkauf von »Legionären«, die bei machen Teams schon mehr als die Hälfte aller Kicker ausmachen, gaben russische Klubs im letzten Jahr insgesamt 256 Millionen US-Dollar aus. Die Nationalelf indes holte bisher noch keine Sterne vom Himmel. Auch in der Champions League traten russische Mannschaften zuletzt nicht sonderlich in Erscheinung.

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