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Windräder auf das Gasometer

Neue Technologien und eine Rekommunalisierung sollen Ökostrompotenziale steigern

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Illustration: Sarah Liebigt
Illustration: Sarah Liebigt

Über drei Viertel des von Berliner Haushalten verbrauchten Stroms ließe sich durch Solarzellen auf den dafür geeigneten Dachflächen produzieren. Dies ergeben die Daten des Sozialatlas, der seit mehreren Jahren veröffentlicht wird. Tatsächlich jedoch lag der Anteil des Sonnenstroms an der gesamten Stromproduktion in Berlin im Jahr 2011 bei lediglich etwas über einem Prozent. Das hat verschiedene Ursachen: sowohl Technische als auch Wirtschaftliche sowie Administrative und Politische. Denn trotz des vergleichsweise geringen Flächenpotenzials verfügen Großstädte theoretisch über etliche Handlungsmöglichkeiten, um Erneuerbare-Energien-Projekte umzusetzen, heißt es vonseiten der »Agentur für Erneuerbare Energien« - ein Zusammenschluss von Unternehmen, Verbänden und Bundesministerien. Auf dem EUREF-Campus, dem Gebiet rund um das Schöneberger Gasometer, lassen sich einige dieser Technologien bereits jetzt besichtigen.

»Energie- und Verkehrswende müssen zusammengedacht werden«, sagt Frank Christian Hinrichs. Er ist Leiter der Plattform Elektromobilität im Innoz, einem Forschungs-, Erprobungs- und Beratungsunternehmen für Technologien, die die Bereiche Energie, Telekommunikation und Informationstechnologie sowie Mobilität umfassen. »Jeder doktert momentan in seinem Bereich herum«, konstatiert Hinrichs, »aber die Dinge müssen zusammengeführt und orchestriert werden.«

Wie beim sogenannten »Smart Grid«, dem intelligenten Stromnetz der Zukunft. Durch Echtzeitüberwachung von Stromproduktion und -verbrauch und eine dadurch mögliche Regulierung kann das Netz entlastet werden, da der Bedarf an von außerhalb importiertem Strom sinkt. Eine Miniversion eines solchen Netzes verbindet auf dem EUREF-Gelände bereits mehrere Solaranlagen und Kleinwindräder als Erzeuger sowie das Innoz-Gebäude als Verbraucher. »Hier kommt auch die Elektromobilität ins Spiel«, erläutert Hinrichs. Die Batterien der Elektroautos dienen in dem System als Energiespeicher: In Zeiten starker Windstromproduktion wird die Energie, die nicht benötigt wird, in den Batterien der Fahrzeuge zwischengelagert. Im Bedarfsfall kann der Strom dann aus den Batterien wieder abfließen. Doch die technische Entwicklung ist komplex und steht zurzeit erst ganz am Anfang, denn momentan ist nur eine der 14 auf dem Gelände existierenden Ladestationen dazu in der Lage, den Anforderungen zu entsprechen, und das auch nur im Zusammenspiel mit einem Autotyp.

Eine weitere Möglichkeit, Strom zwischenzeitlich zu speichern, soll im Jahr 2014 vorgestellt werden: Dabei geht es um eine kleine Elektrolyseanlage, die in Stromüberschusszeiten Wasserstoff produziert. »Den kann man zu einem bestimmten Prozentsatz ins Gasnetz einspeisen, damit nutzen wir einen bereits vorhandenen Speicher«, sagt Hinrichs. Um das Windstrompotenzial auch in der dicht bebauten Großstadt aufzuzeigen, sollen auf dem Gasometer probehalber zunächst zwei Windräder montiert werden. Da sei man in konstruktiven Gesprächen mit dem Denkmalschutz.

»Mehr Handlungsmöglichkeiten der öffentlichen Hand« sieht Stefan Taschner vom Berliner Energietisch bei einer Rekommunalisierung des Stromnetzes. »Wenn Vattenfall nach wie vor auf große Braunkohlekraftwerke setzt, ist das für uns nicht der Partner, der unsere Ziele teilt«, sagt er in Bezug auf den derzeitigen Eigentümer. Der Energietisch will mit einem Volksentscheid Vattenfall die Konzession für das Stromnetz ab 2015 streitig machen.

Vattenfall sieht bei sich selbst jedoch keine Anhaltspunkte, der Entwicklung hinterherzuhinken. Allein schon die starke Regulierung der Netzbetreiber verhindere einseitige Begünstigungen, heißt es aus Konzernkreisen. Dort bedauert man es, dass sich alle fünf im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien für eine Kommunalisierung ausgesprochen haben. Der Energietisch bedauert wiederum, dass die Senatskoalition sich bisher nur zu einem »Ministadtwerk« durchringen kann. »Wer echte Berliner Stadtwerke möchte, muss das Volksbegehren unterschreiben«, sagt Taschner.

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