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Käfer sollen Trabis Konkurrenz machen

Pendant zur Safari und Hommage an einen Oldie: Mit dem Oldtimer durch Westberlin

»Säuerlich« ist der erster Gedanke bzw. Geruch der einem in den Kopf kommt, wenn man sich ans Steuer des schwarzen Käfers 1600 setzt. Zahlreiche Urlaube in den Süden ohne Klimaanlage haben sich merklich auf die Polster des Autos gelegt. Sozusagen als Pendant zur »Trabi-Safari« startet am Samstag die »Oldie Käfer Tour«, laut Gesellschafter Oliver Jesgarek die erste Käfer-Stadtrundfahrt weltweit. Das Unternehmen hatte für Dienstagvormittag zur Probefahrt geladen. Einheimische und Touristen können in original VW Käfern die Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigen. Die Käfer-Tour soll eine Alternative zum herkömmlichen Angebot an Berlin-Stadtrundfahrten sein und will den Touristen und Berlinern ab dem 27. April die Möglichkeit bieten, noch ein Mal »die große Freiheit« im Kultauto zu erleben.

Wer die Autos gewohnt ist, die beim Einparken piepen, muss sich allerdings umstellen. Der Käfer wurde noch bis 2003 in Südamerika produziert und ist mit 21,5 Millionen Exemplaren das meist verkaufte Auto der Welt. Doch all die jungen hippen Berlinfans seien gewarnt: Der größte Unterschied zum Fahren in modernen (ungebrauchten) Autos, abgesehen vom bereits erwähnten Geruch der Vorbesitzer: Es ist eng. Der Sitz fängt da an, wo die Tür endet, Armlehne oder zumindest einen Zwischenraum gibt es nicht. Auch das Lenkrad erscheint ungewohnt schmal. Bei der restlichen Technik heißt es ebenfalls, weniger ist mehr: Innenbeleuchtung oder Airbags? Fehlanzeige. Auch im zur Flotte gehörenden Käfer Baujahr 1997.

Mit schweißnassen, am Lenkrad klebenden Händen verabschiedete sich die Autorin bereits geistig von ihrem Leben und ließ die Kupplung langsam kommen. Sehr langsam. Die Autos sind »technisch einwandfrei«, wie der Gesellschafter der Echte Berliner Jungs GmbH, Olaf Brandenburg, vor der Fahrt versicherte. Über ein Jahr habe es gedauert, bis alle zehn Autos und der große T2 Bus aufgekauft waren.

Der älteste der zehn Käfer ist von 1969 und unterscheidet sich im Grunde nur durch das Autoradio von seinen jüngeren Brüdern, ansonsten bleibt der Käfer seinem Äußeren treu. Auch im Inneren: Der Innenausstattung sind die Jahre zwar deutlich anzusehen, hier und da wurden notdürftige Reparaturen vorgenommen, doch sind die Autos in überraschend gutem Zustand. Fenster und vor allem das Verdeck lassen sich problemlos öffnen: Die warme Berliner Aprilsonne sorgt dafür, dass schließlich die Vorfreude siegt über die Angst vor der fehlenden Servolenkung. Die Käfer-Kolonne fährt einzelne Stationen der Besichtigungstour ab: den Ku'damm entlang in Richtung Siegessäule. Via Funk erklärt Tour-Guide Manfred Lamping inzwischen die Sehenswürdigkeiten und ihre Besonderheiten. Hier das Café Kranzler, dort das Ku'damm Eck.

Ab kommendem Samstag werden so zwei moderierte Touren angeboten, eine kleinere Ku'damm-Runde und eine Große Ost-West-Runde. Auf eigene Faust kann jedoch vorerst nur die Ku'damm-Strecke erkundet werden. Die große Fahrt zum Brandenburger Tor, dem Checkpoint Charly und dem Potsdamer Platz wird nur im Konvoi angeboten. Wer sich - wohl altersabhängig - auf das für Nervenkitzel sorgende Abenteuer, einen alten Käfer zu fahren, nicht einlassen will, dem sei die Tour im VW T2 Bus empfohlen, der wird von einem Chauffeur gefahren und bietet fünf Mitfahrern Platz. Die Käfer hingegen können von den Reisenden selbst gelenkt werden. Ganz bewusst sei der Fokus der Touren auf das neu aufsteigende Westberlin gelegt worden: »Wir wollen damit auch ein wenig die City West beleben«, sagt Oliver Jesgarek.

Dass der Käfer trotz Duftmarke und technischer Umgewöhnung auch die Jungen beeindrucken kann, erfuhr die Autorin am eigenen Leib: Während man auf der Straße des 17. Juni entlang fährt, glaubt man zum 75. Geburtstag des Käfers in diesem Jahr auf einmal zu fühlen, wie sie wohl gewesen sein muss, die große Freiheit im Käfer - und lässt plötzlich ganz entspannt den Arm aus dem offenen Fenster hängen.

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