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Wolfs Briefe

Annotiert II

  • Von Gotthold Schramm
  • Lesedauer: 2 Min.

Schlicht und einfach »Mischa« getitelt ist ein jüngst im neu gegründeten Verlag »Die Möwe« erschienenes Buch. Es erinnert an Markus Wolf, Antifaschist, langjähriger Leiter der Auslandsaufklärung der DDR und Autor des in der DDR große Aufmerksamkeit findenden Buches »Troika« (1989). Anlässlich seines 90. Geburtstages Anfang dieses Jahres hat seine Frau Andrea Wolf aus dem Nachlass über hundert Briefe ausgewählt, die er an Familie, Freunde, Weggefährten schrieb, und jenen ebenso viele Fotos beigesellt.

Die Briefe - hier erstveröffentlicht - geben einen Einblick in sein Leben, Denken und Handeln. Sie offenbaren, dass er der intellektuelle und ruhende Pol der Familie war. Andere Briefe, so an Hans Modrow, Gregor Gysi und Lothar Bisky, J. M. Primakow und Valentin Falin sowie an Viktor Fischer, den »Amerikaner«, und Lothar Wloch, das »Mittelpferd« in der »Troika«, sind vornehmlich Fragen der Zeit gewidmet, aber auch selbstkritischen Reflexionen auf die Sicherheitspsychose der SED. Mehrere Schreiben sprechen von seiner Sorge für einstige Mitarbeiter oder »Aufklärer«, die nach 1990 vor Gericht gestellt wurden, so Rainer Rupp, Gaby Gast und Hagen Blau. Bislang unbekannt auch für Insider ist der hier abgedruckte Brief an den damaligen sowjetischen Präsidenten Gorbatschow, in dem Wolf um Unterstützung für in Haft befindliche ehemalige Mitstreiter bittet.

Besonders interessant für zeithistorisch Interessierte sind gewiss die Briefe, die Markus Wolf kurz nach seiner Rückkehr aus dem sowjetischen Exil 1945 in Berlin verfasste, aus seiner Zeit im Berliner Rundfunk und als Berichterstatter vom Nürnberger Kriegsverbrecherprozess. Der Band reflektiert ein Stück DDR-Geschichte. Wie auch immer der Leser zu Markus Wolf stand oder steht, dass er »klug, humorvoll, emotional und politisch« geschrieben hat, wie im Klappentext vermerkt, kann wohl kaum bestritten werden.

Micha. Briefe und Texte von Markus Wolf an die Familie, seine Freunde und Weggefährten. Hg. v. Andrea Wolf und Claudia Wall. Edition Die Möwe . 270 S., 19 €.

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