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Südafrikas Gewerkschaften zerstritten

Südafrikas Gewerkschaftsdachverband COSATU steht vor der Zerreißprobe

  • Von Armin Osmanovic
  • Lesedauer: 3 Min.
In den Vorwürfen gegen den COSATU-Chef Vavi spiegelt sich auch ein tiefer Streit im Gewerkschaftsdachverband wieder.

Der langjährige Generalsekretär der südafrikanischen Gewerkschaftsdachverbandes Zwelenzima Vavi, wird der Korruption und Misswirtschaft beschuldigt. Der Verkauf des alten Gewerkschaftshauses in der Innenstadt Johannesburgs im vergangenen Jahr an das Unternehmen Street Talk 175 ist Gegenstand der Vorwürfe. Bemängelt wird der niedrige Verkaufserlös.

Die Polizeigewerkschaft Popcru hatte nach eigenen Angaben 15 Millionen Rand (1,25 Millionen Euro) für das Gebäude geboten. Verkauft wurde es jedoch nur für zehn Millionen Rand (850 000 Euro) an das Unternehmen Street Talk 175, bei dem ein Mitglied der Familie Vavi beschäftigt ist. Die Polizeigewerkschaft beschuldigt Vavi deshalb der Korruption. Der weist alle Vorwürfe von sich und beklagt, Ziel einer Schmutzkampagne zu sein. Die Gewerkschaftsbosse, die gegen ihn intrigieren und damit Verrat an der Arbeiterklasse begehen, werde er zur Rechenschaft ziehen, sagte Vavi laut Medienberichten

COSATU hat Wirtschaftsprüfer beauftragt die Vorgänge beim verkauf des Gewerkschaftshauses zu bewerten. Ende Mai tagt das Zentralkomitee des größten südafrikanischen Gewerkschaftsdachverbandes, der mit dem ANC und der kommunistischen Partei (SACP) die Regierung stellt. Es könnte zur Abwahl Vavis kommen, spekulieren Beobachter.

Unmut gibt es in den Gewerkschaften seit geraumer Zeit gegen Vavi. Der bei der Basis beliebte Generalsekretär ist wegen seiner andauernden und scharfen Kritik an ANC-Präsident und Staatschef Jacob Zuma bei vielen gemäßigten Funktionären in Ungnade gefallen. Bei aller Kritik an Person und Politik des ANC-Chef Zuma wünschen sich viele Funktionäre mehr Zurückhaltung und Solidarität mit dem ANC von Vavi. Kritik an dessen Politikstil kommt dabei vor allem von der Bergarbeitergewerkschaft NUM, doch auch die Führung der SACP, einst enge Verbündete, rückt von ihm ab.

Zurückhaltung in der politischen Auseinandersetzung ist nicht Vavis Stärke. Er gebraucht gerne starke Worte. Spricht etwa von Hyänen, die den Staat ausweiden. Kritik übte Vavi auch an der millionenteuren Modernisierung von Zumas Haus in seinem Heimatort Nkandla in KwaZulu Natal. Ziel heftiger Attacken Vavis ist auch der neue Entwicklungsplan der Regierung, der er als neoliberal ablehnt.

Lange war im vergangenen Jahr nicht klar, ob Vavi sich gegen Zuma als ANC-Präsident aussprechen werde. Öffentlich äußerte er sich aber nicht. Die Wiederwahl Zumas im Dezember 2012 gilt als eine Niederlage für ihn, auch deshalb weil mit der Wahl Cyril Ramaphosas zum Vizepräsident des ANC die unternehmerfreundliche Politik des ANC gestärkt wurde.

Der COSATU-Kongress im September vergangenen Jahres hatte die tiefe Zerrissenheit zwischen den COSATU-Gewerkschaftern nur oberflächlich kitten können. Jetzt droht im Kampf um die Vorherrschaft im Dachverband eine Spaltung. Hauptgegner sind die Metallarbeitergewerkschaft NUMSA, die Vavi unterstützt, und die Bergarbeitergewerkschaft NUM, die offenbar Vavis Ablösung wollen. Beide beharken sich öffentlich mit harschen Anschuldigungen.

NUMSA sieht sich mit 318 000 Mitgliedern als nunmehr größte Einzelgewerkschaft. Für sie ist Vavi der Garant für ein »sozialistische« Wirtschaftspolitik, die Bergbauunternehmen nationalisiert. NUM, die Tausende Mitglieder im Arbeitskampf der Platinbergbauarbeiter verloren hat, lehnt diese radikale Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik ab.

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