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Nachhaltig investieren - nachhaltig fördern

Die Genossenschaft Oikocredit vergibt mit Anlegergeld Kleinstdarlehen in ländlichen Gebieten

Investitionen in den Agrarsektor werden kontrovers diskutiert. Landgrabbing und Spekulation mit Nahrungsmitteln gelten in der Öffentlichkeit als überaus fragwürdig. Eine Alternative zeigt die internationale Genossenschaft Oikocredit auf. Sie setzt auf die Förderung kleinbäuerlicher Strukturen in Entwicklungsländern.

Umweltschutz steckt in Bolivien noch in den Kinderschuhen. Daran will »Crecer« etwas ändern. Die Nichtregierungsorganisation setzt auf Kredite in Kombination mit ländlicher Bildung, um nicht nur punktuell, sondern auch nachhaltig zu helfen. Dazu werden Mikrokredite vergeben - vor allem an Frauen, denn sie sind meist für das Finanzielle in den Familien zuständig und denken auch eher an die Zukunft ihrer Kinder statt nur an den nächsten Tag. »Gerade weil so viele Menschen von der Landwirtschaft abhängig sind, müssen wir das Umweltbewusstsein stärken«, erläutert Marisol Fernández, Oikocredit-Länderbeauftragte für Bolivien. »Es geht ja keineswegs nur um die Umwelt, sondern auch um die Gesundheit und die Existenzgrundlagen der Menschen in den armen Gemeinden.«

Einer der Geldgeber von »Crecer« ist Oikocredit. Die internationale Genossenschaft mit Hauptsitz in den Niederlanden engagiert sich in Dutzenden Ländern weltweit von der Ukraine über Tansania bis nach Peru. Oikocredit fördert nachhaltige ländliche Entwicklungskonzepte in Kooperation mit lokalen Organisationen wie »Crecer« in Bolivien oder in direktem Kontakt mit Genossenschaften. Dann werden Kredite zur Zwischenfinanzierung bis zur Ernte oder für Saatgut bewilligt wie für die Kaffeekooperative Oro Verde in Peru oder für nachhaltige Forstwirtschaft in Guatemala. Genossenschaften werden aber auch mit Darlehen unterstützt, um effektiver wirtschaften oder die eigenen Produkte verarbeiten zu können.

Rund 530 Millionen Euro hat Oikocredit derzeit als Darlehen und Kapitalbeteiligungen vergeben. Das Gros der insgesamt 854 Partnerorganisationen in 67 Ländern sorgt mit Mikrokrediten für neue Perspektiven in ländlichen Regionen. Das stößt gerade in Deutschland auf immer stärkeres Interesse. Rund 20 000 der weltweit 48 000 Anleger kommen aus der Bundesrepublik - Tendenz steigend. 2012 kamen etwa 60 Millionen Euro an Investitionskapital weltweit hinzu, davon rund 28 Millionen aus Deutschland. Den Investoren ist dabei die soziale Wirkung wichtiger als der spekulative Gewinn. Sie erhalten eine stabile Rendite von zwei Prozent und auf dieser Basis konnten weltweit 2012 immerhin 234 Millionen Euro, elf Prozent mehr als im Vorjahr, bewilligt werden. Das Gros der Mittel landet in Fonds, aus denen Kleinkredite vergeben werden. Anders als in Indien, wo es mehrfach Skandale um fragwürdige Finanzierungspraktiken bei der Mikrokreditvergabe gegeben hat, sind die Erfahrungen in Afrika und Lateinamerika ausgesprochen positiv. Oikocredit setzt sich dabei für klare Regularien zur sozialen Ausrichtung des Mikrofinanzwesens ein und überprüft mit 36 regionalen Büros auch die Partner vor Ort.

Ein erfolgreiches Modell, das in Deutschland immer beliebter wird. Mittlerweile gibt es acht regionale Trägervereine, deren Mitglieder Genossenschaftsanteile an Oikocredit zu 200 Euro je Anteil erwerben können. Für die Anleger bedeutet dies ein geringes Risiko, für die Empfänger oft einen Start in eine neue Zukunft.


Lexikon

Der Mikrokredit ist ein Finanzierungsmodell für Kleinstgewerbetreibende und zielt vor allem auf die Entwicklungsländer ab. Ausgegeben wird er durch spezialisierte Finanzinstitute und nichtstaatliche Organisationen und beläuft sich üblicherweise auf Beträge zwischen 1 und 1000 Euro. Gedacht ist der Mikrokredit für arme Familien, die von konventionellen Banken kein Darlehen erhalten. nd

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