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Erlebnisse an der Erdgastrasse

Erik Rohrbach aus Frankfurt (Oder) brachte sein 40. Miniaturbuch heraus

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.

Da ist der Kraftfahrer aus Cottbus, der im März 1983 beim Bau der Erdgastrasse in der Sowjetunion zu einem Verkehrsunfall kommt und drei Menschen das Leben rettet. Da ist das alte Ehepaar in einem abgelegenen Dorf, das eine anständige Straße verdient hätte. Doch die Senioren haben den Zweiten Weltkrieg erlebt und versichern den DDR-Bürgern, den ersten Deutschen, die seit dem Krieg dort sind: Eine Straße wäre schon, aber Frieden sei wichtiger.

Erik Rohrbach aus Frankfurt (Oder) hat diese Menschen gekannt und nun über sie geschrieben. In dem Minibuch »Das Menschliche bleibt« schildert Rohrbach eindrückliche Erlebnisse aus seiner Zeit an der Erdgastrasse in den Jahren 1983 bis 1985. Wenn er sich später daran erinnerte, so kam er - »trotz der beeindruckenden Größe des Bauvorhabens« - zu der Überzeugung: »Noch mehr geprägt haben mich die Menschen, die ich in der Sowjetunion kennen lernte.«

Rührende Momente gibt es in dem Buch und auch heitere. So schildert Rohrbach den Besuch einer russischen Sauna: »Bis dahin hatte ich am eigenen Leib nie erlebt, wie sich Vertreter zweier miteinander befreundeter Völker gegenseitig mit Birkenreisig so schlugen, dass die Freundschaft zeitweise außer Kraft gesetzt schien.« Schwierigkeiten hatte der heute 72-Jährige damit, die im Bruderland üblichen Mengen Wodka in einem Zug zu trinken. Er griff zu einer Notlüge und behauptete, ein chronisches Magenleiden verbiete ihm den Alkoholgenuss. Dies wurde »mit einem Ausdruck des Bedauerns überall akzeptiert« und er bekam Tee oder Mineralwasser. Rohrbach machte die Erfahrung, dass Geschichte nicht nur geschrieben, sondern auch gefälscht wird. Dem setzt »erlebte Wahrheit« entgegen.

Der 72-Jährige ist nicht nur Linksparteivize in Frankfurt (Oder). Er ist auch ein Freund des Minibuchs. 40 Stück hat er seit 1989 selbst geschrieben oder herausgegeben. Schon im ersten dieser Bücher verarbeitete er Erfahrungen an der Erdgastrasse. Es kam in einer Auflage von 5000 Stück heraus. Von »Das Menschliche bleibt« ließ Rohrbach zunächst 100 Exemplare drucken, die fast schon ausverkauft sind. Zur Buchpremiere kam Anfang April die Bundestagsabgeordnete Dagmar Enkelmann (LINKE). Sie hat das Vorwort verfasst und notiert, dass die Trasse zum gegenseitigen Vorteil der rohstoffreichen Sowjetunion und der rohstoffhungrigen DDR gebaut wurde. »Die Trasse war und ist ein Symbol dafür, was zu Zeiten des Sozialismus möglich war. Darauf kann man mit Recht stolz sein. Und nicht nur das Menschliche bleibt in Erinnerung.«

Erik Rohrbach: »Das Menschliche bleibt«, 120 Seiten, 13 Euro, erik.rohrbach@t-online.de, Tel.: (0335) 244 86

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