Der Preis bleibt gleich

Klaus Joachim Herrmann zur Anti-Werbe-Kampagne

Mit dem Hinweis »Werbefrei!« lässt sich gut werben. Das Produkt kostet dann ohne Werbung freilich etwas mehr. Bezahlter Fußball im »Bezahlsender« zum Beispiel. Logisch. Wenn Öffentlich-Rechtliche Sender für ihre neuen Gebühren werben, dann bezahlen sie das stilgerecht - mit bereits eingetriebenen alten Gebühren. Da hat der Beworbene für die ihm zugedachte Werbung gleich selbst berappen müssen. So will es in diesem Fall das Gesetz, und so wollen es Markt und Wirtschaft auch sonst überall. Die Werbung ist in das Produkt ebenso eingepreist wie deren Abwesenheit. Der Preis bleibt gleich.

Tausende Werbebotschaften täglich und Stress durch die von ihnen geweckten Bedürfnisse beklagen die Aktivisten der »Werbefreiheit«. Doch sogleich werden sie auch ihr eigenes Opfer. Wer werben will für keine Werbung, muss auch dafür zahlen. 200 Euro für zehn Tage Werbetafel für die Nichtwerbung. Das ist kein Erfolg versprechender Auftakt. Die Anti-Werber selbst bezahlen ja damit sogar die Werbefläche auf den Flügeln der Windmühlen gegen die sie mutig reiten.

Im öffentlichen Raum wird nur das Wegschauen bleiben. Unerwünschte Mails gehen, wenn man es will und bewältigt, in den Spam-Ordner. Auch Daheim kann man sich schützen. Doch am Anbringen des Hinweises am Briefkasten »Bitte keine Werbung!« hindert mich eine gewisse Scheu. Die Austräger sind meist arm dran und häufig im Lande noch lange nicht recht drin. Die paar Euro aus frühester Morgenstunde und bei Wind und Wetter bleiben ihnen gegönnt. Da trag ich die Werbung eben zum Müll. Für dessen Bewältigung wirbt ja immer so nett die BSR.

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