Solidarisch

Jésus Eguiguren hat den Gernika-Friedenspreis nur unter Protest angenommen

Aus Protest schwieg der baskische Politiker Jésus Eguiguren, als er am Freitag mit dem Gernika-Friedenspreis geehrt wurde. Seine Tochter und die von Ornaldo Otegi nahmen am 76. Jahrestag der Bombardierung der baskischen Kleinstadt Gernika durch die deutsche Legion Condor stellvertretend den Preis entgegen. Mit seinem Verhalten zeigte sich der Präsident der baskischen Sektion der spanischen Sozialisten (PSOE) mit dem inhaftierten Sprecher der verbotenen Partei Batasuna (Einheit) solidarisch. Eine große Geste für einst erbitterte Gegner.

Die Beiden verbindet mehr als ihre gemeinsame Herkunft: Aus der Kleinstadt Elgoibar stammt Otegi, die unweit des Dorfs Aizarna liegt, in dem Eguiguren aufwuchs und lebt. Seit mehr als einer Dekade setzen sie sich nun schon für Frieden im Baskenland ein. Der verheiratete 58-jährige Eguiguren - Jurist, Universitätsprofessor und Parlamentarier - hat gegen alle Widerstände in seiner PSOE nie davon abgelassen, per Dialog eine Lösung für den Konflikt zu finden.

So haben Eguiguren und Otegi nach dem Scheitern früherer Verhandlungen zwischen der baskischen Untergrundorganisation ETA und Spanien 2001 im Bauernhof »Txillare« diskret Gespräche aufgenommen. Die blieben auch vom Batasuna-Verbot im Jahr 2003 unbeeinflusst. Der Sozialist arbeitete mit dem vier Jahre jüngeren Otegi weiter zusammen und der machte 2004 der Regierung ein Friedensangebot, das auch im »Txillare« von Elgoibar entworfen wurde.

Die neue PSOE-Regierung ging 2006 auf das Angebot ein. Regierungsvertreter verhandelten mit der ETA und die PSOE mit Batasuna. Nur Eguiguren saß an beiden Verhandlungstischen; für Otegi ein Vorteil, weil er ihm traute. Otegi sorgte seinerseits 2007 für einen radikalen Schwenk in der Unabhängigkeitsbewegung. Die ETA stellte 2011 nach einer Friedenskonferenz den Kampf ein. Eguiguren war damals der einzige PSOE-Vertreter und zeigte sich »verärgert« über das »geringe Verständnis« seiner Partei. Dass Otegi als angebliches ETA-Mitglied inhaftiert wurde, ist für Eguiguren ein »Skandal«.

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