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Viva la Mexico

RSB-Familienkonzert

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Große Anerkennung ist dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) für seinen kürzlich vollendeten Wagner-Zyklus zuteil geworden. Dirigiert von seinem Künstlerischen Leiter Marek Janowski, hatte das Orchester Wagners »Götterdämmerung« in zehn Konzerten vor Publikum aufgeführt, live mitgeschnitten vom Deutschlandradio und dem Label PentaTone. Nicht nur von den Musikern, auch vom Publikum war dabei höchste Konzentration und absolute Disziplin verlangt: Jeder Fehlgriff, jedes Husten wäre auf den Bändern verewigt, die große, reine Kunst geschmälert worden.

Am Sonntagnachmittag hat dasselbe Orchester im Berliner Haus des Rundfunks das letzte seiner sieben »Familienkonzerte« in dieser Saison gegeben - vor einem Publikum, dem die Stille und das Stillesitzen nun wahrlich nicht abverlangt werden kann: Kinder aller Altersgruppen - selbst ein Säugling wurde gesichtet - waren mit älteren und sehr alten Begleitern erschienen, um mit den Ohren und Öhrchen in die »mexikalische Seele« vorzudringen.

Aber nicht nur im Saal, auch auf der Bühne war ungewohntes Personal auszumachen. Die Rede ist zum einen von Herbert Feuerstein, der längst den Fernsehbildschirm verlassen und einen neuen Arbeitsplatz auch auf dem Konzertpodium gefunden hat: Er moderierte jedes der vier gespielten Stücke (nicht immer ganz kindgerecht) mit kleinen Hintergrundgeschichten an. Und dann: Alondra de la Parra am Pult. Die 32-jährige Mexikanerin ist eine der wenigen Frauen im Dirigentenberuf. Dass sie sich auf ihre Weise in der Männerdomäne durchzusetzen weiß, stellte sie leidenschaftlich unter Beweis.

In Berlin trat sie, das Orchester rhythmisch-tänzerisch mit dem gesamten Körper führend, als Botschafterin einer neuen mexikanischen Musik auf, die ihre Sprache noch nicht lange gefunden hat. Mit dem Orchester-»Tanzlied« von Arturo Márquez (geb. 1950) und dem nicht minder tänzerischen »Huapango« von José Pablo Moncayo (1912-1958) kamen zwei in Mexiko populäre, auch für das junge Berliner Publikum eingängige Stücke zu Gehör, während Silvestre Revueltas (1899-1940) »Lied der Schlange« und Federico Ibarras (geb. 1946) »Die Hallen des Schlafes«, an die europäische Moderne anknüpfend, zwar die Fantasie der Jüngsten beflügelten, ungeübte Ohren in ihrer dichten, oft überbordend lautstarken Klanglichkeit jedoch eher verschreckten.

Als wolle sie die verschüchterten Kleinen am Ende für sich und ihre Sache zurückgewinnen, wandte sich de la Parra in zwei Zugaben dem Publikum zu - und leitete es zum Klatschen in versetzten Rhythmen an, während in ihrem Rücken das Orchester spielte. Die einzigen, die jetzt noch unglücklich dreinschauten, waren einige der Musiker.

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