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Lasst es gut sein

Die Aufregung um die Vergabe der Presseplätze für den NSU-Prozess reißt nicht ab: Die ARD berichtet über falsche Lose im Korb. Tagesspiegel und TAZ grübeln weiter über rechtliche Schritte. Unterdessen hat Martin Lejeune, der als freier Journalist auch für »neues deutschland« schreibt, Klage vorm Bundesverfassungsgericht eingelegt.

Nur allzu verständlich ist die Aufregung aus der Sicht von Medien und Journalisten, die alles richtig machten und doch draußen bleiben müssen. Wie ein Oberlandesgericht ohne Not den wohl wichtigsten Prozess der Bundesrepublik seit Jahrzehnten schon vor Beginn so versemmeln konnte, wird wohl ein Rätsel der Justizgeschichte bleiben. Die Inkompetenz des Gerichts traf ausgerechnet erst Medien aus jenem Land, aus dem die meisten Opfer des NSU stammen und dann die größten politischen Leitmedien aus dem Land der Täter. Auch »neues deutschland« hatte nach der ursprünglichen Akkreditierungsrunde seinen Platz schon sicher geglaubt.

Trotzdem: Enttäuschte Pressevertreter sind nicht die maßgebende Opfergruppe in diesem Prozess. Für die Hinterbliebenen der zehn Toten, die Verletzten der Bombenanschläge, die Traumatisierten der Banküberfälle muss das jetzige Gerangel wie eine weitere Verhöhnung in der an Verhöhnungen nicht armen Geschichte der NSU-Aufarbeitung erscheinen. Vor allem sie haben ein Recht darauf, dass der Prozess so schnell wie möglich beginnt.

So absurd die Entscheidung des Münchner Gerichts ist, die Berichterstattung mittels Tombula zu regeln, so verwunderlich ist auch, dass Medien, die nun die Pressefreiheit in Gefahr sehen, nicht schon bei Bekanntgabe des Losverfahrens klagten. Trotzdem: Die meisten großen Medien werden direkt oder über Korrespondenten oder Kooperationspartner im Saal sein. Dass auf dem Platz des Stern-Journalisten nun offiziell »Brigitte« steht; dass die FAZ nun zum Bittsteller bei einem Regionalblatt werden muss, ist angesichts auf Aufklärung wartender Angehöriger sicherlich das kleinere Übel.

Zum Witz gemacht hat die ganze Geschichte das Münchner Oberlandesgericht – keine Frage! Doch Medien sollten nun durch ihre Zurückhaltung mithelfen, dass der Prozess nicht auch noch dazu wird.

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