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Warum das FBI Assata Shakur jagt

Die einstige Black-Panther-Aktivistin steht als erste Frau auf der Liste der »Top-Terroristen«

Die US-Bundespolizei FBI hat erstmals eine Frau auf ihre Liste der meistgesuchten Terroristen gesetzt - die 65-jährige Afroamerikanerin Assata Shakur, die einst der Schwarzenorganisationen Black Panther Party angehörte.

»Beschütze deine Familie, deine Gemeinde, dein Land, indem du dem FBI bei der Ergreifung von gesuchten Terroristen und Flüchtigen hilfst.« Mit diesem Satz leitet das FBI seine »Most-Wanted-List« ein. Seit Anfang Mai befindet sich erstmals eine Frau auf der FBI-Liste der zehn meist gesuchten Terroristen, die nach dem 11.9. 2001 angelegt wurde: die 65-jährigen Afroamerikanerin Assata Shakur (vormals Joanne Chesimard). Das »Kopfgeld«, das auf sie ausgesetzt war, wurde auf zwei Millionen Dollar erhöht.

Assata war seit den 60er Jahren politische Aktivistin, in der Studentenbewegung, im Kampf gegen den Vietnamkrieg und gegen den Rassismus. 1969 wurde sie Mitglied der Black Panther Party. FBI-Direktor J. Edgar Hoover hatte die Black Panthers zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt und angewiesen, die Partei im Rahmen des »Counter-intelligence Program« mit allen Mitteln zu bekämpfen. In den folgenden Jahren kam es zu dem, was ein Untersuchungsausschuss des Senats 1976 als »geheimes Programm zur Vernichtung der Black Panther Party« bezeichnete - von Totalüberwachung, Erpressung, Festnahmen und strafrechtlicher Verfolgung unter fingiertem Vorwand bis hin zum Mord an über 20 Parteimitgliedern.

Auch Assata war vom FBI ins Visier genommen worden. 1973 wurde sie mit anderen Aktivisten im Auto von Polizisten angehalten. Es kam zu einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf Assata mit erhobenen Händen von einem Polizisten in den Rücken geschossen und schwer verletzt wurde. Einer ihrer Genossen und ein Polizist starben an Schusswunden. Ein rein weißes Geschworenengericht befand Assata 1977 des Mordes schuldig und sie wurde zu »lebenslänglich plus 33 Jahre« verurteilt, obwohl forensische Untersuchungen ihre Unschuld bewiesen. Nach ihrer Verurteilung erklärte Assata gegenüber dem Gericht: »Mit diesem Prozess haben Sie Freiheit und Demokratie lächerlich gemacht. Ich habe gegen den Polizeiterror protestiert, der an der schwarzen Bevölkerung verübt wird, und gegen die politische Unterdrückung. Ich werde mich nie mit dieser Ungerechtigkeit abfinden.«

Im November 1979 gelang ihr die Flucht aus dem Gefängnis. Am 5. Januar 1980 veröffentlichte die »New York Amsterdam News« eine ganzseitige Solidaritätsbotschaft: »Frieden für Assata Shakur. Wir sind sehr froh, dass du das neue Jahr 1980 in Freiheit verbringst. Deine Freiheit ist unser Sieg. Wir lieben und unterstützen dich. Bleib stark und frei. - Die schwarze Bevölkerung.« Seit 1984 lebt Assata in Kuba. Havanna gewährte ihr politisches Asyl gemäß internationalem Recht und der Flüchtlingskonvention; Fidel Castro hatte sich persönlich für sie eingesetzt.

Die neueste Aktion des FBI gegen Assata richtet sich natürlich auch gegen Kuba, dem die USA-Regierung seit Jahren versucht, »Unterstützung des Terrorismus« nachzuweisen. Angela Davis weist auf den Widerspruch hin: »Zur gleichen Zeit, da Assata Shakur als erste Frau auf die Liste der zehn meistgesuchten Terroristen gesetzt wird, werden die Cuban Five, die versucht hatten, terroristische Anschläge gegen Kuba zu verhindern, in US-Gefängnissen festgehalten.«

Assata, die für viele zum Symbol des revolutionären Kampfes der Afroamerikaner geworden war, heute als Top-Terroristin einzustufen, hat auch innenpolitische Gründe. Die Gleichsetzung ihres Kampfes mit Terrorismus soll nicht nur die Geschichte der großen progressiven Kämpfe in den USA kriminalisieren. Wenn die Sicherheit der »Familie, der Gemeinde und des Landes« von Aktivistinnen wie Assata bedroht wird und wenn sie vor ihnen geschützt werden muss, dann zielt das auf die Einschüchterung jüngerer Generationen. Sie sollen davor gewarnt werden, sich heute in diesem immer dringenderen Kampf zu engagieren.

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