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Hier zählt noch Handarbeit

25 Jahre Zeitschrift »Interim«

Sie hat keinen Internetauftritt und keine Hochglanzfotos, manchmal sind die Seiten falsch zusammengeheftet - bei der »Interim« zählt eben noch Handarbeit. Und der Name ist Programm: Seit einem Vierteljahrhundert ist die Zeitschrift für die autonome Szene eine Zwischenlösung. Dabei ist es aber bis heute geblieben. Die Hoffnung der Gründer, sie durch eine bundesweite autonome Publikation zu ersetzen, erfüllte sich nicht.

Die erste Ausgabe erschien am 1. Mai 1988. »Ende der 80er Jahre standen die Menschen jeden Donnerstagabend Schlange und warteten auf die Auslieferung der neue Interim«, erinnert sich Hans Georg Lindenau, der den Laden für Revolutionsbedarf M99 in Berlin-Kreuzberg betreibt. Obwohl nach 25 Jahren nicht wenige Autonome der späten 80er Jahre den Marsch durch die Institutionen erfolgreich zurückgelegt haben, findet die »Interim« immer wieder neue Leser - wenn auch mit veränderten Erwartungen. Damals war sie wichtige Informationsquelle mit aktuellen Politterminen und den neuesten Diskussionspapieren. Heute finden sich Informationen wesentlich schneller im Internet, und in der »Interim« werden vor allem Schreiben der radikalen Linken abgedruckt, die ihre politischen Aktionen am Rande oder jenseits der Legalität vorstellen und begründen. So finden sich in der aktuellen Ausgabe Erklärungen zu antirassistischen Farbanschlägen ebenso wie der Abdruck eines Zeitungsartikels zur Farbbeutelattacke auf die Hamburger Villa des Schauspielers Til Schweiger, in dem dessen Engagement für den NATO-Einsatz in Afghanistan als Grund für den Anschlag genannt wird. Auch Aktionen gegen die Bekleidungsfirma KiK, der die Verantwortung für besonders ausbeuterische Arbeitsbedingungen in asiatischen Fabriken vorgeworfen wird, werden in der aktuellen Interim bekannt gemacht.

Das zieht nicht nur Leser aus der radikalen Linken an. Im Verfassungsschutzbericht hat die Interim alljährlich eine feste Rubrik in dem Bereich der »gewaltbereiten Linksextremisten«. Doch die Dienste blieben nicht in einer Beobachterposition. So stellte sich im Gerichtsverfahren gegen angebliche Mitglieder der Militanten Gruppe (MG) heraus, dass sich 2005 und 2006 BKA-Beamte unter dem Pseudonym »Die zwei aus der Muppetshow« an der Militanzdebatte in der Interim beteiligt hatten. Leser der Zeitschrift sollten auf die Website des BKA geführt werden, um Erkenntnisse über die Militante Gruppe zu gewinnen. Dort wurden 417 IP-Adressen der Besucher gespeichert und daraus 120 Nutzerdaten ermittelt, die bis 2009 zu keinen relevanten Ermittlungsergebnissen führten.

Für junge und alte Interim-Leser sind solche Vorkommnisse ein Grund mehr, nicht auf das Internet zu vertrauen. Daher hat die Zeitschrift auch nach 25 Jahren noch Leser, die die Publikation beim Szeneladen ihres Vertrauens abholen. Ob die Zwischenlösung auch weitere 25 Jahre anhält, wird auch von der Spendenbereitschaft der Leser abhängen. Vor allem die bundesweite Verschickung könne künftig nur aufrecht erhalten werden, wenn mehr Spenden fließen, heißt es in einem mit »letzte Mahnung« überschriebenen Aufruf in der aktuellen Ausgabe.

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