Von Velten Schäfer

Keine Rettung für die »Georg Büchner«

Das Traditionsschiff am Rostocker Stadthafen wird verschrottet

Fast 15 000 DDR-Seeleute haben auf der »Georg Büchner« ihr Handwerk gelernt. Nun wird das am Rostocker Stadthafen liegende »Traditionsschiff« nach langem Hin und Her verschrottet. Auch der koloniale Aspekt seiner Geschichte konnte das typische belgische »Kongoboot« am Ende nicht retten.

Bislang sorgte sie für maritimes Ambiente im Rostocker Stadthafen: Die »Georg Büchner« ist das einzige große Schiff, das dort vertäut ist - und oft das einzige, das etwa Touristen in der Hansestadt überhaupt zu Gesicht bekommen. Seit 2005 diente das traditionsreiche Schiff, das 1950 als »Charlesville« für die belgische Kolonialflotte gebaut wurde und 1967 als Schulschiff an den VEB Deutsche Seerederei in Rostock überging, als innenstadtnahe Übernachtungsmöglichkeit. Zu diesem Zweck war das Schiff, das die Stadt Rostock 1991 für eine symbolische DM übernommen hatte, an einen Trägerverein übertragen und bis 2005 für insgesamt eine Million Euro ausgebaut worden.

Nicht einmal acht Jahre später soll es nun dennoch zu Ende gehen mit der »Georg Büchner«: Nachdem Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) angekündigt hat, dass der Denkmalstatus des Schiffes aufgehoben wird, kann der geplante Verkauf des Schiffes an eine auf den Seychellen ansässige Verwertungsfirma erfolgen, die 900 000 Euro für das Schiff geboten haben soll und es in Litauen abwracken lassen will.

Damit nimmt ein langes Hin und Her ein Ende. Bereits vergangenen Herbst machte die Nachricht die Runde, dass die Erhaltung des Schiffes noch einmal fünf Millionen Euro kosten würde, die der Trägerverein nicht aufbringen konnte. Im Januar wurde dann aber bekannt, dass die »Georg Büchner« als »Charlesville« noch Freunde hatte: Ein Geschichtsverein aus Antwerpen bemühte sich intensiv um das »letzte Kongoboot« und mobilisierte sogar politische Unterstützung: Noch vergangene Woche bat der Vize-Premier des belgischen Teilstaats Flandern, Geert Bourgeois, Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) um mehr Zeit für die Erarbeitung eines Konzepts.

Auch in Rostock war eine regelrechte Schiffs-Unterstützerbewegung entstanden. Eine Initiative »Rettet Schorsch« organisierte dort seit Februar Mahnwachen oder nutzte die Bordwand für Filmprojektionen: Wenn schon nicht in Rostock, so die Forderung der »Schorsch«-Freunde, sollte das Schiff wenigstens in Antwerpen überleben dürfen. Doch das Brodkorb unterstellte Landesdenkmalamt senkte wegen Zweifeln am Finanzierungskonzept und versicherungsrechtlichen Bedenken den Daumen auch über der belgischen Variante.

Wann das Schiff nun tatsächlich weggeschleppt werden kann, ist noch ein wenig unklar - schließlich sind auch dafür umfangreiche Genehmigungen notwendig. Sicherlich hinterlassen wird das alte Schiff in Rostock aber einen Nachgeschmack: Die Vorgänge erwecken den Eindruck, als hätten die Zuständigen von Anfang an das lukrative Verschrotten in Klaipeda einer Erhaltslösung in Antwerpen vorgezogen, bei der kaum Geld geflossen wäre.

Offen ist unter anderen auch die Frage, was nun mit dem Verkaufserlös geschieht: Auch abzüglich in Rostock inzwischen aufgelaufener Kosten, die zuletzt mit 150 000 Euro angegeben wurden, bleibt von dem alten Kahn unter dem Strich ein schöner Geldbetrag. Nachdem die »Ostsee-Zeitung« berichtete, von diesem Geld könnte der »Georg Büchner«-Trägerverein eine neue Herberge am Stadthafen eröffnen, regte sich neuerlich Unmut in der Stadt. Erst habe der Trägerverein offenbar kein tragfähiges Konzept für das Schiff gefunden, nun solle er auch noch belohnt werden, kritisierte in dem Zusammenhang die Bürgerschaftsangeordnete Sybille Bachmann (Rostocker Bund).

Wer also Erinnerungen an die »Georg Büchner« hat oder auch nur eine Vorliebe für Schiffe, die noch wie Schiffe aussehen, muss sich mit einem Besuch im Stadthafen beeilen. Ansonsten bleiben als Trost nur die Modellbausätze der »Kongoboot«-Schiffsklasse, für die auf Internetseite für Schiffsfans bereits gewoben wird.

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