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Dresden im Mai 1849 - ein Komponist auf den Barrikaden

Richard Wagners Eingreifen in die Revolution

Am 22. Mai jährt sich Richard Wagners Geburt zum 200. Mal. Wie kaum ein anderer Künstler polarisiert der Komponist und Dichter, Publizist und Kunsttheoretiker bis heute. Die Frage, ob seine antisemitische Schmähschrift »Das Judenthum in der Musik« Spuren auch in Wagners Werken hinterlassen hat, ist keineswegs einhellig beantwortet. Hitlers Vorliebe für Wagner und die Instrumentalisierung der Bayreuther Festspiele durch die Nazis diskreditieren die Wagner-Opern für manche auf alle Zeit. Andere wollen sich die sinnliche und geistige Auseinandersetzung mit diesen Werken nicht durch deren problematische Rezeptionsgeschichte streitig machen lassen. Viele Inszenierungen indessen - auch am Weiheort Bayreuth, der alljährlich zum Laufsteg einer gesellschaftlichen Elite avanciert - setzen die Opern aufs Drastischste ihrer eigenen Geschichte aus.

Wagners Biografie steckt voller schwer aufzulösender Widersprüche, die sich nicht selten in seiner Kunst widerspiegeln. Aber gilt das auch umgekehrt: Waren die Umstände, in denen er lebte, kämpfte und arbeitete, für Wagner das Feld, auf denen sich seine ästhetischen Maßstäbe zu bewehren hatten? Unmittelbar, nachdem er seinen »Lohengrin« fertiggestellt hatte, trat der Dresdner Kapellmeister und »rote Demokrat« Wagner als feuriger Revolutionär auf den Plan; nach den Maiaufständen des Jahres 1849 floh er ins Schweizer Exil. Der Essayist Friedrich Dieckmann schreibt, die Politik sei Wagner »zur Fortsetzung des Kunstwerks mit anderen Mitteln« geworden.

Der Dresdner Schriftsteller Klaus Funke hat unserer Bitte entsprochen, die turbulenten Tage im April und Mai 1849 zum Gegenstand einer Wagner-Erzählung zu machen. Nicht etwa, der Wagner-Forschung exakte Erkenntnisse beizufügen, ist deren Anliegen. Wohl aber will sie die Fantasie anregen, die Stimmung in Dresdens Gassen einfangen und den Hitzkopf Wagner im subjektiven Blick des Erzählers lebendig werden lassen. Genau so könnte es, genau so muss es sich aber nicht zugetragen haben ... mha

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