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Tiefes Unwissen

Steffen Schmidt über die Fracking-Pläne der Bundesregierung

Der Eiertanz der schwarz-gelben Bundesregierung beim Versuch, die Suche nach dem sogenannten Schiefergas gesetzlich zu regeln, ist ganz sicher vor allem wahltaktischen Erwägungen geschuldet. Er spiegelt allerdings auch die reale Datenlage zur Sicherheit des für die Gewinnung dieser schwer auszubeutenden Gasvorkommen nötigen Fracking-Verfahrens wieder. Dieser Gedanke jedenfalls drängt sich auf, wenn man eine am Donnerstag im US-Fachjournal »Science« erschienene Studie zur Schiefergasgewinnung im US-Bundesstaat Pennsylvania liest.

Beunruhigend ist dabei nicht etwa das in kritischen Filmen gern gezeigte Gas im Trinkwasser. Dieses Phänomen wurde bei Brunnen in dem Steinkohlegebiet auch schon vor der Erdgassuche beobachtet. Es irritiert vor allem, dass es in dem Bundesstaat nach Auskunft des Hauptautors, Radisav Vidic von der Universität Pittsburgh, mangels flächendeckender Trinkwasserüberwachung schlicht Vergleichsdaten fehlen.

Darüber hinaus verweist der anerkannte Fachmann im Gespräch mit »Science«-Redakteur Kerry Klein noch auf ein weiteres Problem. Die hiesige Risiko-Debatte zielt vor allem auf die zum Teil giftigen Stoffe in der verpressten Fracking-Flüssigkeit. Doch laut Vidic ist das, was wieder nach oben kommt, um ein Vielfaches gefährlicher. Denn beim Fracking werden aus dem Gestein Salze von giftigen und auch radioaktiven Schwermetallen ausgewaschen. Auch wenn man unterstellt, dass die Bohrlöcher vorschriftsmäßig abgedichtet sind und sich das Fracking Hunderte von Metern unter den Trinkwasserreservoirs abspielt, bleibt die Zwischenlagerung und Entsorgung dieser Brühe problematisch.

Insofern sind Studien, wie eine ebenfalls vergangene Woche veröffentlichte aus dem US-Bundesstaat Arkansas, wonach in Trinkwasserbrunnen keine Spuren von Stoffen aus in den Schiefergasbohrungen gefunden wurden, von begrenztem Wert, da sie nichts über Verunreinigungen von Oberflächenwasser sagen. Sie zeigen vor allem, dass man von den Erfahrungen eines Gebiets nicht auf Risiken woanders schließen kann.

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