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König der Berge, König der Kälte

Vincenzo Nibali ist der Patron des Giro d’Italia

  • Von Tom Mustroph, Col du Galibier
  • Lesedauer: 3 Min.
Es ist lange her, dass ein Fahrer den Giro d’Italia so dominierte wie jetzt Vincenzo Nibali. Der Mann in Rosa ist immer vorn zu finden. Er attackiert, wenn das Terrain es zulässt.

Anders als sein Vorgänger Alberto Contador, der 2008 sogar noch darüber bestimmen wollte, wer welche Bergetappe gewinnt, lässt Nibali auch andere Fahrer, die ihm nicht für die Gesamtwertung gefährlich sind, zum Zuge kommen. Zwar profitiert der Sizilianer vom vorzeitigen Abschied des Toursiegers Bradley Wiggins. Anders als der dürre Brite ist Nibali aber schon von seiner Konstitution her sehr kälteresistent und hat daher die Nase deutlich vorn. »Ein bisschen haben wir den Giro schon gewonnen«, ließ sich Astanas Teamchef Giuseppe Martinelli zu einem Zwischenfazit am zweiten Ruhetag hinreißen.

Nibali spielte seine gegenwärtige Klasse sehr deutlich am Wochenende in den Alpen aus. Als am Samstag in Bardonecchia mit Sergio Henao der Helfer seines Konkurrenten Rigoberto Uran - nach dem Abgang von Wiggins bei Sky in die Chefrolle geschlüpft - eine Attacke ritt, ließ Nivali den Kolumbianer getrost fahren. Zwar deutete sich die alte Kelme-Strategie an: Ein Fahrer wird als Relaisstation nach vorn geschickt und gibt dem später aufrückenden Mannschaftskollegen Unterstützung. Aber Nibali blieb cool. »Als dann Uran antrat, habe ich gemerkt: Das ist keine Attacke von denen, die einen Unterschied ausmachen. Ich wusste, denen tun die Beine genauso weh wir mir. Also habe ich in Rücksprache mit Teamchef Martinelli dann an der steilsten Stelle angegriffen«, erzählte er später. Nur Landsmann Mauro Santambrogio vermochte Nibali zu folgen. Beide fuhren harmonisch eine halbe Minute Vorsprung auf die Konkurrenz heraus. Nibali gab seinem Gefährten einen Freifahrtschein zum Etappensieg. Der Profi von Vini Fantini rückte dank der Bonussekunden in der Gesamtwertung sogar bis auf eine Sekunde an den drittplatzierten Kolumbianer Uran heran - und Nibali meinte: »Für die kommende Woche habe ich einen potenziellen Alliierten gewonnen.«

Auch am Sonntag, auf der verkürzten Etappe auf halbe Höhe des Galibiers, war es vor allem Nibali, der sich auf Angriffe verlegte. Der Zweitplatzierte Cadel Evans (BMC) und Uran waren heilfroh, sich keinen weiteren Rückstand eingehandelt zu haben. »Es ist mein Naturell, zu attackieren. Und in der jetzigen Situation möchte ich gern noch etwas Vorsprung auf die Konkurrenz herausfahren«, erklärte er. Nibali erweist sich damit als Gegenfigur zu all den Rennfahrern, die sich zu Verteidigungskünstlern wandeln, sobald sie ein Führungstrikot übergestreift haben. Seine Devise hingegen lautet: »Angriff ist die beste Verteidigung«. Damit sorgt er für einen Mentalitätswechsel im Radsport.

Der Sizilianer verblüffte mit einem weiteren Stärkespiel. Als seine Rivalen wegen des Schneeregens und bitterer Kälte dick eingepackt dem Gipfel entgegenfuhren, entledigte er sich der langärmligen Rennkleidung. »Ich habe mich vorher extra eingegelt. An den Armen habe ich keine Kälte gespürt, nur an Händen und Füßen.«

In der Verbindung aus Top-Form und Kälteunempfindlichkeit sieht er wie der sichere Gesamtsieger aus. Das Bergzeitfahren am Donnerstag und zwei Dolomitenetappen am Freitag und Samstag sind die kommenden Prüfungen. Besteht er auch diese, dann ist für die Italiener die große Lücke, die ein Marco Pantani hinterlassen hat, endlich geschlossen.

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