Scharnier der Doors

Ray Manzarek ist tot

Es ist so eine Sache mit der Unendlichkeit. Wenn es nirgendwo Grenzen, keinen Rahmen, wenn alles das All ist - dann ist alles nichts. Als sich in der zweiten Hälfte der Sechziger eine kalifornische Band unter Drogeneinfluss anschickte, die »Pforten der Wahrnehmung« (»The Doors of Perception«, Aldous Huxley) aufzustoßen, stolperte der charismatische Sänger Jim Morrison schon bald über die Schwelle. Er steigerte seine Poesie bis ins Delirium und segnete 1971 mit 27 Jahren das Zeitliche. Der nüchternere Ray Manzarek (Foto: dpa), auf dessen Initiative die Gründung der Doors zurückging, muss einige Mühe gehabt haben, dem Andrang auf die »Pforten der Wahrnehmung« standzuhalten. Er fungierte als Scharnier und hielt die Tür in den Angeln. Mit seinem Keyboardspiel - in Ermangelung eines Bassisten übernahm Manzareks linke Hand auf einem Fender Rhodes Piano die Basslinie, während die rechte auf einer Vox-Continental-Orgel in irren Melodielabyrinthen über die Tasten wirbelte - prägte der Sohn polnischer Einwanderer den spezifischen Sound von Titeln wie »Light My Fire«. Manzareks ausgedehnte Improvisationen, im Instrumentaldialog mit dem Gitarristen Robby Krieger, sind legendär. Nach Morrisons Tod lösten die Doors sich bald auf. Erst 2003 überführten Manzarek und Krieger das Vermächtnis der Band gegen den juristischen Widerstand von Morrisons Eltern und des Schlagzeugers John Densmore ins 21. Jahrhundert. Das Anti-Vietnamkriegs-Motto »Make Love Not War«, so sage er damals, müsse in Zeiten neuer Kriege wiederbelebt werden. Am Montag starb Ray Manzarek 74-jährig in einer Klinik im bayrischen Rosenheim an Krebs. Martin Hatzius

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