Kesselflicker

Christopher Lauer ist Chef der Berliner Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus

Als die Piraten 2011 ins Berliner Abgeordnetenhaus einzogen, war er einer derjenigen, der durch seinen sozusagen bürgerlichen Kleidungsstil auffiel. Neben seinen Parteikollegen, die mit Kopftuch, Latzhose und grünen Haaren die Aufmerksamkeit auf sich zogen, fügte sich Christopher Lauer im grauen Jackett eher in die Masse der übrigen Parlamentarier ein. Es dauerte indes nicht allzu lange, bis der 28-Jährige vor allem mit markigen Sprüchen und mitunter recht launischen Auftritten am Rednerpult von sich reden machte.

Unabhängig davon, ob man ihn aus dem Parlament oder aus sozialen Netzwerken kennt: Lauer scheint sich immer mit (zu) vielen Dingen parallel zu beschäftigen, in diversen Debatten mitzudiskutieren und macht je nach Laune einen überdrehten oder arrogant gelangweilten Eindruck. Dass er dabei kein Blatt vor den Mund nimmt, funktioniert auf Portalen wie Twitter - im Politikbetrieb hingegen sorgt er regelmäßig für Kopfschütteln. Mit seinem Verhalten auf einer Podiumsdiskussion im September 2012 und dem vorzeitigen Verlassen derselben bekam er schließlich ein eigenes Schlagwort (Hashtag) auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. »Lauergate« steht seither als Synonym für Ausfälligkeiten des Piraten.

Aufgewachsen in Bonn, studierte Lauer ab der elften Klasse nebenher Physik und spielte seit jungen Jahren Theater. Seit 2009 ist Lauer Mitglied der Piratenpartei, war von Mai 2010 bis Mai 2011 deren politischer Geschäftsführer. Unter dem Vollzeiteinsatz für den Wahlkampf litt zunächst sein Kultur- und Technikstudium mit Schwerpunkt Wissenschafts- und Technikgeschichte an der TU Berlin.

Seine Androhung nun, hinter verschlossenen Türen (»Keiner hat einen Anspruch darauf, transparent mitzubekommen, wie wir uns wie die Kesselflicker streiten.«) gegen vermeintliche Gerüchteköche aus den eigenen Reihen mit Sanktionen vorzugehen, sorgt für Wirbel. Man muss auf eine versuchte Skandalisierung von Vorgängen, die die eigene Person betreffen, nicht mit noch mehr Getöse reagieren. Ein »Lauergate 2.0« nützt niemandem etwas.

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