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Warum ist Gerald erwachsen?

Ian Anderson ist Mastermind, Multi-Instrumentalist und Sänger von Jethro Tull

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nd: Sie sind seit über einem Jahr auf Tour mit zwei älteren Alben. Was reizt Sie nach vier Dekaden noch an »Thick As A Brick«?
Anderson: Als die Amerikaner sich entschlossen, auf den Mond zu fliegen, sagte Präsident Kennedy: »Wir machen es nicht, weil es leicht wäre, sondern gerade, weil es schwer ist.« Progressive-Rock-Konzeptalben im Jahr 2013 sind mindestens so schwer durchführbar wie ein Flug zum Mond. Man muss ganz stark an das glauben, was man macht. Nicht viele Bands wagen es, auf der Bühne zwei komplette Alben nacheinander zu spielen. Nach einem Jahr kann ich aber sagen: Es funktioniert.

Anspruchsvoll, aber auch unterhaltsam. Und immer mit einem Schuss Humor. Ist das Ihr Credo?
Ich versuche stets, die Menschen zu unterhalten. Jeder soll mit dem Gefühl nach Hause gehen, etwas Besonderes gesehen und gehört zu haben. Zum Humor: Ich empfinde ihn als Möglichkeit, die Dinge einmal von einer anderen Seite aus zu betrachten. Der einzige Ort auf der Welt, an dem ich keinen Sinn für Humor beobachte, ist Nordkorea. Man sollte eine Humorbombe über dem Land abwerfen. Aber dort würde man wohl nicht mal über Monty Python lachen.

Der Internationale Kindertag steht bevor. Sie haben Ihren Gerald Bostock, das dichtende Kind von 1972, erwachsen werden lassen. Warum?
Weil jeder einmal erwachsen wird. Und weil ein bisschen von Gerald Bostock in jedem von uns steckt, offeriert das neue Album fünf divergierende Lebensgeschichten des erwachsenen Gerald. Ich glaube nicht, dass unser Schicksal vorbestimmt ist. Wir haben zu 80 Prozent Kontrolle über den Weg, den wir gehen. Leider werden unsere Optionen durch Kriege, Konflikte oder unfähige Eltern eingeschränkt. Ich behaupte dennoch, dass selbst Kinder aus völlig zerrütteten Verhältnissen die Chance auf eine rosige Zukunft haben. Überlegenswert finde ich, dass man erst eine »Kindererziehungslizenz« erwerben muss, bevor man Nachwuchs in die Welt setzen darf. Eltern haben unheimlich viel Verantwortung.

Wie sollten Kinder aufwachsen?
Ohne große dramatische Zwischenfälle, Kriege und Armut.

In »Adrift and Dumb-founded« erzählen Sie das Schicksal eines jungen Mannes, der obdachlos wird, weil seine Eltern seine Homosexualität nicht akzeptieren. Wie kamen Sie zu dieser Figur?
Die meisten meiner Songs sind im Ansatz autobiografisch. In meiner Jugend trug ich eine Matte, kleidete mich wie ein Hippie, malte Bilder und zeigte überhaupt kein Interesse an Fußball. Deshalb hielt mein Vater mich für schwul. Er versuchte, dagegen anzusteuern, was mich extrem stresste. Das verarbeite ich jetzt in diesem Song.

Zudem habe ich Homosexuelle in meiner Familie und meinem Freundeskreis, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wie ich Sie beschreibe. Wobei ich glaube, dass ich selbst nicht schwul bin. Aber wer kann sich darüber schon hundertprozentig sicher sein? Ich hatte zwar nie eine homosexuelle Erfahrung, aber ich mag die Ambivalenz, das Fragezeichen. In jedem Mann steckt etwas Feminines und umgekehrt. Die Deutschen haben Angela Merkel, wir Briten hatten Margaret Thatcher. Mit diesen Mädels will man sich nicht anlegen.

Fragen: Olaf Neumann

Jethro Tull spielt heute in Dortmund, morgen in Braunschweig und übermorgen in Kiel.

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