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Sonnige Tage für Sepp Blatter

Der Kongress des Weltfußballverbandes FIFA folgt auf Mauritius seinem Präsidenten

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

Mauritius, die blaue Insel im Südwesten des Indischen Ozeans, lädt als Urlaubsziel sicher zu einem längeren Aufenthalt ein. Vor den Toren der Hauptstadt Port Louis liegt Domaine le Pailles, ein äußerst luxuriöser Landsitz auf über 1200 Hektar Land im Kolonialstil. Ob dieser dem Führungsstil eines gewissen Joseph S. Blatter entspricht, wie böse Zungen behaupten, sei mal dahingestellt. Jedenfalls hat FIFA-Präsident Blatter nach Pailles ins Swami Vivekananda International Convention Centre zum 63. Kongress des Weltverbandes geladen. Wenn es um die zweitägige Veranstaltung der 209 Mitgliedsverbände geht, kann man Mauritius jedenfalls ganz schnell und kurz abhaken. Der Kongress endet heute mit enttäuschenden Ergebnissen - und das haben nicht nur böse Zungen vorhergesagt.

Die zwei wichtigsten Entscheidungen, die Beschränkung der Amtszeit und eine Altersgrenze für Funktionäre im Weltverband wurde auf 2014 vertagt. Und das im üblichen Verfahren: Das Exekutivkomitee mit seinen ausgesuchten 24 Mitgliedern gab diese Empfehlung, die Delegierten nickten nur ab. Wer sägt auch schon an seinem eigenen Stuhl? Für den 77-jährigen Blatter ist das Alter nicht relevant, sondern »Leidenschaft« und »Leistung«. Immerhin eine klare Aussage. Widersprüchlicher ist sein Eintreten für eine Amtszeitbeschränkung. »Dann müsste das aber auch für jeden gelten«, sagte Blatter. Scheinbar aber nicht für ihn selbst. Denn dass der Schweizer 2015 in seine fünfte Amtszeit gehen will, gilt als sicher.

»Wir haben einen demokratischen Prozess ins Leben gerufen. Zwischen 2011 und 2013 habe ich erhebliche Anstrengungen unternommen, um diesen Reformprozess so weit wie möglich voranzutreiben«, lässt sich Blatter auf der FIFA-Homepage zitieren. Scheinheilig genug ist eigentlich schon der genannte Zeitraum. Blatter ist seit 1998 Präsident des Weltverbandes und war davor 17 Jahre lang dessen Generalsekretär. Die FIFA hatte den Kongress auf Mauritius als Abschluss des Reformprozesses angekündigt. Doch nicht nur die ausgebliebenen Entscheidungen sprechen dagegen, schon der angebliche Anfang.

Als Ausgangspunkt gilt das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Zug um den ehemaligen Vermarktungspartner des Weltverbandes ISL. Es wurde im Juni 2010 gegen eine Zahlung von 4,6 Millionen Euro eingestellt. Allein die Höhe dieser Summe lässt das Ausmaß der Korruption erahnen. Bis zur Einstellung wurden über 100 Millionen Euro an Schmiergeldzahlungen an FIFA-Funktionäre ermittelt. Das alles geschah, als Blatter den Verband als Generalsekretär und später als Präsident führte. Ein paar Sündenböcke mussten gehen, er blieb.

»In den ISL-Akten steht nachweislich, dass Sepp Blatter von der Korruption gewusst und sie geduldet hat«, sagt Viola von Cramon. Die Abgeordnete der GRÜNEN sitzt im Sportausschuss des Bundestages, Korruption im Sport ist eines ihrer »Lieblingsthemen«. Um das schlechte Image von sich und der FIFA zu verbessern schuf Blatter 2012 sein wichtigstes Instrument, die »unabhängige Ethikkommission« der FIFA. Unabhängig ist sie nur formal. Denn alle Empfehlungen zu Aufbau und Besetzung der Kommission durch das von der FIFA selbst geschaffene Beratungsgremium IGC wurden abgelehnt. Man schmückte sich lediglich mit dem Namen Mark Pieth, IGC-Vorsitzender und anerkannter Antikorruptionsexperte.

So wurde die Ethikkommission in zwei Kammern aufgeteilt. Die rechtsprechende, besetzt mit dem deutschen Richter Hans-Joachim Eckert, kann nur über das urteilen, was die ermittelnde vorlegt. Und der Chefermittler, Michael Garcia, »ist Blatter absolut hörig«, so von Cramon, »er bekommt Vorgaben, arbeitet sie ab und ermittelt nicht an den falschen Stellen«. So wurde Blatters Verhalten im ISL-Skandal intern lediglich als »ungeschickt« eingestuft.

Joseph Blatter hat nichts zu befürchten. Die FIFA auch nicht, sie ist ein in der Schweiz im Sinne des Zivilgesetzbuchs eingetragener Verein, auf den das Korruptionsrecht nicht anwendbar ist. Mit solch glänzenden Aussichten kann der Weltverband und sein Präsident die sonnigen Tage auf Mauritius sicher genießen. Scham ist von der FIFA nicht zu erwarten.

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