Voll ins Braune

Ingolf Bossenz über Hitlervergleiche

Gesetz ist Gesetz. Zum Beispiel Godwins Gesetz. Die von dem US-Amerikaner Mike Godwin vor über zwei Jahrzehnten aufgestellte Regel besagt, dass sich mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit den Nazis oder mit Hitler dem Wert Eins annähert. Dass dies auch offline galt und gilt und solche Vergleiche zudem nicht selten schon am Beginn einer Debatte stehen, sei hinzugefügt. Gewöhnlich sind derlei attackierende Analogien nicht Ausweis ausgeprägten Geschichtsbewusstseins, sondern gängige Methode, bei einer beabsichtigten Diffamierung des politischen Gegners garantiert ins Schwarze respektive Braune zu treffen.

Besonders der sogenannte Hitlervergleich ist beliebt. Wird doch dabei nicht nur der (mit H.) Verglichene schnell und unkompliziert desavouiert. Auch der Vergleichende gerät kurzzeitig in den Fokus skandalisierender Aufmerksamkeit. Nicht nur hierzulande, auch international wird dieser metaphorische Schlagstock in den politischen Schlammschlachten immer wieder unverdrossen eingesetzt: Eine argentinische und eine kenianische Zeitung zogen dieser Tage Tadel und Empörung auf sich, weil sie in der Politik ihrer Staaten Parallelen zu Hitlers Machtmethoden gezogen hatten. Die Kritik an diversen Schändlichkeiten erhält durch solche Sinnbilder zwar eine verstörende Note, aber keine historische Erhellung mehr. Was durchaus einmal als Warnung funktionierte, ist längst nur noch wohlfeil. Godwins Gesetz wirkt.

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