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Kinder mit Behinderung stärken

UNICEF-Bericht macht gegen Diskriminierung in der »Dritten Welt« mobil

Kinder mit Behinderungen und ihre Familien zählen nach UNICEF-Angaben weltweit zu den am stärksten benachteiligten und gefährdeten Menschen. Das Hilfswerk hat jetzt in seinem jüngsten Bericht auf ihre dramatische Lage aufmerksam gemacht.

Rahmatuallah trat auf eine Landmine und verlor ein Bein. In einem von UNICEF mitgetragenen Zentrum für Jugendliche in Afghanistan macht der 14-Jährige jetzt eine Ausbildung zum Elektriker. Und bald schon bekommt er auch eine neue Prothese. Mit neuem Bein und neuem Wissen könne er dann seine Familie unterstützen, erzählt er stolz. Uyen ist neun. Geboren mit einer schweren geistigen Behinderung, verlassen von den Eltern, kam das vietnamesische Mädchen vor einem Jahr zum ersten Mal ins Betreuungszentrum für behinderte Kinder in Hoa Nhon, das vom Kinderhilfswerk unterstützt wird. Heute kann Uyen schon einfache Sätze sprechen und fühlt sich sichtbar wohl.

Für Millionen junge Behinderte vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern aber ist die Lebenslage desaströs, wie der am Donnerstag im vietnamesischen Da Nang und in Köln veröffentlichte UNICEF-Bericht »Zur Situation der Kinder in der Welt« aufzeigt. Sie gelten als minderwertig, werden ausgegrenzt, wachsen isoliert, ohne Rechte und Förderung auf, sind oft existenziell gefährdet. Dabei seien Hunger und Mangelernährung, die weltweit 165 Millionen Mädchen und Jungen beeinträchtigen, entscheidende Ursachen für körperliche und geistige Behinderung.

Bis zu 500 000 Minderjährige drohten jedes Jahr zu erblinden, weil sie an Vitamin-A-Mangel litten. Impfungen könnten schwere Behinderungen wie Kinderlähmung verhindern, stünden jedoch nicht zur Verfügung. Allein durch Minen und Blindgänger werden jährlich 1000 Kinder getötet oder verstümmelt. Hilfsmittel wie Rollstühle oder Medikamente zur Behandlung aber fehlen oft in den ärmsten Ländern.

UNICEF geht davon aus, dass weltweit mindestens 93 Millionen Kinder unter 14 Jahren von einer Behinderung betroffen sind. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, weil sich viele Regierungen nicht um das Thema kümmerten. Unwissenheit und Stigmatisierung müssten deshalb überwunden, die Rechte und Fähigkeiten dieser Kinder in den Fokus gerückt werden, fordert das Hilfswerk, auch in der Entwicklungspolitik. Eine von Handicap International veröffentlichte Studie zeigt, dass weniger als 0,5 Prozent der globalen humanitären Hilfe Menschen mit Behinderung zugutekommt. »Damit Kinder mit Behinderungen etwas zählen, müssen sie gesehen werden, bei der Geburt, in der Schule, im Leben«, betonte UNICEF-Exekutivdirektor Tony Lake bei der gestrigen Vorstellung des Reports in Vietnam. Kommentar Seite 4

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