Die blamable Demokratie

  • Von Roberto J. De Lapuente
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Wenn sich Ausschüsse, Konferenzen oder Parteitage nicht einigen können, spricht der Journalismus häufig unbedacht von einer Blamage. Das ist jedoch nicht weniger als die Sprache der Postdemokratie.

Zuletzt sprachen einige Radio- und Fernsehanstalten von einer Blamage für die europäischen Außenminister, weil sie keine Einigung im Hinblick auf das Waffenembargo gegen Syrien erzielen konnten. Und schon vor vielen Jahren schrieb die taz mal, dass sich die Linke blamiert hätte, weil es ihr nicht gelänge, die Positionen von WASG und PDS zu vereinigen. Der Spiegel schreibt indes regelmäßig zu SPD-Parteitagen, dass sich diese Partei nachhaltig blamiere, weil sie die Forderungen des linken Flügels nicht mit den Seeheimern zu einer Einheit verschmelze, sprich: mundtot macht.

„Keine Einigung gleich Blamage“ ist eine journalistische Formel und Schlussfolgerung, die das Wesen eines demokratischen Diskurses nicht erfasst hat. Sie ist ein sensationslüsterner Ausspruch, der das demokratische Gepräge hinter sich gelassen hat, der also nach-, der postdemokratisch greift.

Sich nicht programmatisch und planbar zu einigen, den Disput zwi...



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