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Volle Mütze Spaß bei »Weissensee 2«

Die freie Literatur- und Kunstszene um Bert Papenfuß veranstaltet wieder ein Literaturfestival. Wir erinnern uns: Der Dichter, der auch als Musiker auftrat, war einer der Begründer der Literaturszene Prenzlauer Berg, die in den 80er Jahren in der DDR von sich reden machte. Er trat mit seinen Texten auf Punkkonzerten auf, nach der Wende gehörte er zu den Machern des legendären Kaffee Burger, das vor allem durch Wladimir Kaminers »Russendisko« bekannt wurde. Seit 2010 betreibt Papenfuß die »Kulturspelunke Rumbalotte« in Prenzlauer Berg.

»Weissensee 2« findet vom 7. bis 16. Juni statt. »Wir hatten dabei den Namen der dreiteiligen Fernsehserie im Kopf, aber auch die Tatsache, dass Bert Papenfuß als Prenzlauer-Berg-Ikone nun in Weißensee lebt. Das war für ihn immer eine Randlage. Jetzt bricht er eine Lanze für seinen neuen Kiez« sagt Kai Pohl, Mitorganisator des Festivals, der als Grafiker auch das Logo entworfen hat. »In unserer dürren Kulturlandschaft blüht der Unsinn, dessen saure Früchte man allerorten hinterhergeschmissen bekommt. Auf abgezirkelten Edel-Events werden Medaillen verteilt, sozusagen als ›rostige Andenken an die Zukunft‹ (Volker Braun). Unter der Fuchtel der Stromlinienförmigkeit wird weggeblasen, was sich querstellt. Deutschland ist heute das Land der Schlichter und Banker.«

Etliche Protagonisten des DDR-Punk geben sich bei »Weissensee 2« die Ehre, unter ihnen der Maler Ronald Lippok (Rosa Extra) und der Musiker Rex Joswig (Herbst in Peking). Austragungsorte sind die Staatsgalerie Prenzlauer Berg, das »Lokal«, die »Kulturspelunke Rumbalotte« sowie die Kultur- und Schankwirtschaft »BAIZ«, die von Schließung bedroht ist. Rund 30 Veranstaltungen mit mehr als 60 Künstlern und Literaten: Sie lesen aus ihren Texten, zeigen Video-Performances und Filme. Ältester Teilnehmer ist mit 83 der Schweizer Soziologe und 68er Urs Jäggi.

Eröffnet wird das Fest heute ab 18 Uhr in der »Rumbalotte« mit einer Ausstellung von Nils Chlupka, der 1993 an der Kunstaktion »Knochengeld« beteiligt war. Es lesen Silka Teichert aus »Platzgerangel unerwünscht« und Elke Erb aus »Das Hündle kam weiter auf drein«. Weiterer Höhepunkt: eine Filmnacht am 15. Juni. Tags darauf ist dann der Sänger Rex Joswig, der mit seiner Sendung »Grenzpunkt Null« beim MDR Sputnik das Formatradio kräftig durcheinanderwirbelte, beim Abschlussfest zu Gast.

»Im April haben wir über dieses Fest nachgedacht und wollten es noch vor den Sommerferien veranstalten. Daher mussten wir es schnell aus dem Boden stampfen«, sagt Kai Pohl. Das spricht für ein gut funktionierendes Netzwerk der Veranstalter, die hier außerdem mit »no Budget« an den Start gehen. Die klassische Hutspende, eine volle Mütze Spaß und ein aufgeschlossenes Publikum wird die Künstler sicherlich entschädigen.

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