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»Die Regierung bricht das Gesetz«

Film über den Widerstand gegen das brasilianische Staudammprojekt »Belo Monte«

  • Von Christian Russau
  • Lesedauer: 3 Min.

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Martin Keßler setzt mit »Count-Down am Xingu III« seine dokumentarische Langzeitbeobachtung des Widerstands gegen den brasilianischen Staudamm Belo Monte fort.

»Das ist eigentlich die größte Tragödie von Belo Monte: dass die Leute in ihrem So-Sein und in ihrer Existenz, in ihrer Würde und ihren Rechten nicht respektiert werden«, sagt der aus Österreich stammende Bischof Erwin Kräutler. Als »Dom Erwin« kennen sie ihn in seiner Diözese in Altamira und am Xingu-Fluss: die Indigenen, die Flussanwohner und die Fischer, dort, wo die brasilianische Regierung auf Biegen und Brechen den mit 11 Gigawatt Leistung drittgrößten Staudamm der Welt errichten lässt: Belo Monte.

Martin Keßler und sein Team begleiten Dom Erwin und Antônia Melo von der Widerstandsbewegung »Xingu Vivo para Sempre« bei Besuchen in Indigenen-Siedlungen am Fluss. Für Antônia Melo bedeutet der Bau des Damms einen Genozid an den indigenen Völkern vor Ort. Und der Film lässt diese Betroffenen zu Wort zu kommen, ruhig hält die Kamera auf die Gesichter und die Betroffenen wissen, was vorgeht: »Alles leere Versprechungen der Regierung!«, empören sie sich. Strom war ihnen versprochen worden, nun sei der Generator da, aber wovon sollen sie den Diesel kaufen? »Wir lebten vom Fischfang, nun ist da nichts mehr«, sagen sie. Denn das Wasser ist wegen der Arbeiten am Damm weiter oben am Fluss verschmutzt. Zudem soll die große Flussschlaufe genannte Volta Grande auf 100 Kilometer Länge trockengelegt werden. Fisch werden die Flussanwohner dann wohl auch kaufen müssen.

Doch der Film lässt auch jene zu Wort kommen, die sich Hoffnungen machen. Belo Sun etwa, eine kanadische Firma, die an der Volta Grande den Goldabbau vorantreibt. Der Film kommt hier ohne Kommentare aus dem Off aus, die Bilder sprechen für sich. Wie auch die Totalen, die die Ausmaße des Baugeländes des Staudammprojekts zeigen. Oder die Detailaufnahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Anhörungen, die in den betroffenen Gemeinden durchgeführt werden. Aber die brasilianische Verfassung sieht die vorherige, freie und informierte Befragung der betroffenen Indigenen vor: Und dies ist bislang nicht geschehen. So berichtet der Film auch von den Klagen der Bundesstaatsanwaltschaft gegen den Bau.

»Die Regierung bricht das Gesetz«, sagt Bischof Kräutler. Und er verweist auch auf die Verantwortung der europäischen Firmen, die an Belo Monte verdienen. Keßler fuhr auch nach München, zur Aktionärsversammlung von Siemens. »Kein Mensch von irgendeiner Firma aus Frankreich, Deutschland, Österreich ist vor Ort gegangen, um sich das anzuschauen«, beklagt Kräutler im Film. Und so sitzt der Bischof gegen Ende des Films selbst auf der Barrikade auf der Landstraße. Belo Monte ist zu einem Drittel fertiggestellt - aber der Widerstand ist ungebrochen.

»Count-Down am Xingu III«, Dokumentarfilm von Martin Keßler. Premiere am 12. Juni, 20 Uhr im Kino Babylon, Berlin-Mitte

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