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Kaiserwetter und Trauerzug

Bundespräsident legte Grundstein für das Humboldtforum

Einige trugen gestern die Schloss-Freiheit zu Grabe.
Einige trugen gestern die Schloss-Freiheit zu Grabe.

Das Wetter passte und das Wortspiel lag nahe: »Kaiserwetter«, konnte es sich Hermann Parzinger gestern bei der Grundsteinlegung für das »Berliner Schloss - Humboldtforum«, wie der Bau offiziell heißt, nicht verkneifen. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, künftig größter Nutzer des Forums, durfte die einzige Rede halten, selbst Bundespräsident Joachim Gauck musste sich mit den drei Hammerschlägen begnügen. Was nicht unsympathisch war, trotzdem schien es, als ob man alles schnell hinter sich bringen wollte, sei es wegen der Hitze oder weil man dem Großprojekt doch etwas misstraute.

Fotostrecke: Grundsteinlegung für das Humboldtforum in Berlin

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	Blick auf die Großbaustelle für das neue Berliner Schloß. Wo früher der Palast der Republik stand, wird am 12. Juni der Grundstein für das Museumsprojekt Humboldforum gelegt.</p>
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	Nicht alle sind überzeugt vom Sinn des "Traumschlosses": Eine kleine Schar Demonstranten marschiert in einem symbolischen Trauermarsch um die Grossbaustelle des neuen Berliner Schlosses. Die Demonstration richtet sich gegen die enorm hohen Baukosten und die Verbaung der Stadtmitte.</p>
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	Aus dem Fenster der Humboldt-Box betrachten Besucher am Tag der Grundsteinlegung die Großbaustelle.</p>

Fotostrecke mit 9 Bildern

Die Berliner waren gestern Zaungäste. Sie dürfen erst am Sonntag zum »Tag der offenen Baustelle« die neuen Schlossfundamente besichtigen.
Die Berliner waren gestern Zaungäste. Sie dürfen erst am Sonntag zum »Tag der offenen Baustelle« die neuen Schlossfundamente besichtigen.

Eine Gesprächsrunde mit Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU), Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wollte darauf einstimmen, was dieses Haus einmal sein soll, nämlich ein Ort des Dialogs. Gestern war es aber noch ein Ort der Statements. Ramsauer freute sich, dass der Schlossbau nun unumkehrbar sei und dass im Vergleich zu Flughafen und Elbphilharmonie »nur ein bischen genörgelt« wird. Die Zweifler an dem Projekt seien ohnehin in der Minderheit.

Wowereit will die Idee des Humboldt-Forums weiter verbreiten um dem Vorwurf zu begegnen, es handele sich um ein rückwärtsgewandtes Gebäude. Für Neumann hat die Kombination aus alten Fassaden und modernem Inneren »eine gewisse Einmaligkeit«. Womit hätte man sonst die Lücke in der Stadtmitte wohl füllen sollen, fragte er sich selbst: »Mit einer Wiese oder einem supermodernen Objekt?« Ein preußisch aussehendes Gebäude den Kulturen der Welt zu öffnen, sei jedenfalls eine richtige Entscheidung gewesen.

Ramsauer sieht das Projekt im Zeitplan, womit er wohl den von der Bundesregierung »aktualisierten« meinte, der jetzt eine Eröffnung des Forums 2019 vorsieht. Vorher war auch schon 2014 und 2017 anvisiert. Den Kostenplan für das 590-Millionen-Euro-Gebäude sieht er derzeit sogar etwas »unterschritten«. Was allerdings auch für den Spendenplan gilt. Von 80 Millionen Euro für die Fassade ist erst ein Bruchteil beisammen. Wowereit nannte es fatal, wenn die Fassade nicht fertig würde und lud schon mal »Großspender« ein. Wenn erst mal was zu sehen ist, werde die Spendenbereitschaft steigen, hofft er.

Davon ist erst mal nichts zu bemerken. Nach einer neuesten Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins »Stern« lehnen fast zwei Drittel der Deutschen den Wiederaufbau des Schlosses ab. Ähnliche Ergebnisse hatte kürzlich eine Umfrage unter Berlinern.

Einige der Zweifler demonstrierten am Rande der Grundsteinlegung gegen das Projekt. Das Bündnis »No Humboldt 21« forderte ein Moratorium für den Bau, weil es »die Würde und Eigentumsrechte« von Menschen in aller Welt verletze. Die ethnologischen Sammlungen seien nach kolonialen Eroberungen nach Berlin gekommen. Eine Gruppe von Architekten, Künstlern und Studenten verlangte, auf den Bau ganz zu verzichten und trug die »Schloss-Freiheit« zu Grabe. Das Areal solle Grünfläche bleiben und die Entscheidung über eine Bebauung der nächsten Generation überlassen werden. Zur Sicherheit sammelt Satirikerin Marion Pfaus bereits Spenden für den Schlossrückbau.

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