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Am Tag, als Gott die Ernüchterung erschuf

300 Flüchtlinge warten in Hamburg darauf, dass Deutschland Asyl-Streit mit Italien verliert

  • Von Christin Odoj, Hamburg
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Im März sind in Hamburg 300 afrikanische Flüchtlinge gestrandet, die als Bürgerkriegsflüchtlinge aus Libyen gekommen sind. Der Senat mauert und will sie nach Italien zurückschicken. Bis eine endgültige Entscheidung getroffen ist, lebt Osei mit 79 weiteren Flüchtlingen in einer Kirche im Stadtteil St. Pauli.

Am achten Tag erschuf Gott den Deutschunterricht und die Trompete, so jedenfalls müsste es in der Bibel stehen, wenn die Geschichte heute im Hamburger Stadtteil St. Pauli spielen würde. Osei sitzt mit vier anderen Männern auf Pappkartons im Kreis. Alle lauschen einem jungen Mann mit Reggae-Mütze und Baggy-Jeans, der versucht, ein paar Töne aus der Trompete zu pressen. Die hat gerade jemand aus der Nachbarschaft vorbeigebracht. Ein dumpfes »dööp« hallt durch die laue Morgenluft am Hafen. Alle lachen, nur einer nicht: Osei.

Es ist der achte Tag im Kirchgarten der St. Paulikirche. Die ist zu einem Schutzraum für 80 afrikanische Flüchtlinge geworden, die dem Bürgerkrieg in Libyen entkommen sind. Osei hat keine Lust auf Trompete, so wie er keine Lust hat, überhaupt irgendwas zu tun, das ihm Spaß macht. »Ich bin nicht in der Stimmung für so was«, sagt er. Seine Arme liegen in seinem Schoß, sie bewegen sich kaum, wenn er spricht. Er ...


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