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Dutzende Festnahmen bei Razzien in der Türkei

90 Mitglieder der Sozialistischen Partei inhaftiert / Polizei geht gegen Regierungskritiker und linke Medien vor / Stiller Protest gibt Beispiel

Istanbul (Agenturen/nd). Im Zuge des Vorgehens der türkischen Polizei gegen die regierungskritischen Proteste in Istanbul sind dutzende Anhänger einer linken Partei festgenommen worden. Die Polizei habe etwa 90 Mitglieder der Sozialistischen Partei der Unterdrückten (ESP), einer bei den Protesten aktiven Gruppierung, in ihren Wohnungen festgenommen, teilte die Istanbuler Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

Die Fernsehsender NTV und CNN-Türk berichteten zudem, die Polizei habe die Büros der Zeitung »Atilim« und der Nachrichtenagentur Etkin, die beide der Partei nahestehen, durchsucht. Laut NTV wurden zudem 30 Menschen in der Hauptstadt Ankara und 13 weitere in der nordwestlichen Stadt Eskisehir festgenommen. Außerdem habe es Einsätze in 18 weiteren Provinzen des Landes gegeben.

Zunächst war nicht klar, was genau den Festgenommenen vorgeworfen wird. Regierung und Behörden hatten in den vergangenen Tagen erklärt, es sei bekannt, wer die Demonstrationen mitorganisiert und unterstützt habe, und Strafverfolgung angekündigt.

Die Opposition setzt nun auch auf stillen Protest, bei dem Demonstranten an Brennpunkten stundenlang bewegungslos verharren. Die Aktion eines einzelnen Mannes in der Nacht fand sofort viele Nachahmer. Die Berichte über den Protest des stehenden Mannes (türkisch: duran adam), der stundenlang auf dem Taksim-Platz stand und in Richtung eines Porträts des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk starrte, hatten sich über den Kurznachrichtendienst Twitter (Hashtag #duranadam) verbreitet. Wie Aktivisten über soziale Netzwerke mitteilten, gab es auf dem zentralen Taksim-Platz Festnahmen, als sich Dutzende Gegner der islamisch-konservativen Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan dem stillen Protest des einzelnen Demonstranten anschlossen.

Der Staatsanwaltschaft zufolge wurden bereits am Sonntag bei Protesten in Istanbul und Ankara knapp 600 Menschen festgenommen. Gemäß dem Gesetz können Verdächtige bis zu vier Tage in Gewahrsam gehalten werden, bevor sie einem Richter vorgeführt werden. Die Polizei hatte am Samstag unter dem massiven Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern den seit Wochen von Demonstranten besetzten Gezi-Park im Zentrum von Istanbul geräumt.

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