Werbung

Türkei: 130.000 Tränengas-Patronen gegen Regierungskritiker

Human Rights Association zählt 3.000 Festgenommene / Landesweit mindestens 7.500 Verletzte und vier Tote / Polizei will 60 neue Wasserwerfer bestellen

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Istanbul (Agenturen/nd). Rund drei Wochen nach dem Beginn der regierungskritischen Protestwelle in der Türkei zeichnet sich nun eine erste Bilanz der staatlichen Angriffe auf die Protestierenden ab: Die türkische Polizei hat einem Zeitungsbericht zufolge rund 130.000 Patronen mit Reizgas verschossen. Es sei nun geplant, größere Mengen an Tränengas und Pfefferspray zu beschaffen, um die Bestände aufzufüllen, berichtete die Tageszeitung »Milliyet« am Mittwoch weiter. Außerdem sollten 60 weitere Wasserwerfer beschafft werde.

Der massive Einsatz von Tränengas ist international als unverhältnismäßig kritisiert worden. Zudem wird verurteilt, die Polizei habe gezielt und auf kurze Distanz direkt auf Demonstranten geschossen und Tränengasgewehre damit praktisch wie scharfe Waffen eingesetzt. Zudem wird untersucht, ob einer der bei den Protesten getöteten Menschen an einer Überdosis Tränengas starb.

Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Human Rights Association wurden seit Ende Mai rund 3000 Menschen vorübergehend von der Polizei in Gewahrsam genommen. Allein in Istanbul sitzen 68 Demonstranten noch in Haft - überwiegend wegen angeblicher Kontakte zu Terrorgruppen, wie die Hassan Kilic von der städtischen Rechtsanwaltskammer am Mittwoch mitteilte. 33 weitere seien von der Polizei vernommen worden und müssten mit Anzeigen wegen Bandenkriminalität rechnen, sagte er.

Die Türkei wird seitdem von regierungskritischen Protesten erschüttert, nachdem die Polizei eine friedliche Demonstration gegen die Abholzung von Bäumen im Gezi-Park am Taksim-Platz gewaltsam aufgelöst hatte.

Bei den Dutzenden Straßenschlachten mit Wasserwerfern, Gummigeschossen und Tränengas wurden landesweit mindestens 7.500 Menschen verletzt und mindestens vier getötet: drei Demonstranten und ein Polizist. Die Polizei ging auch am Mittwoch erneut gegen Regierungskritiker vor - unter anderem in der westanatolischen Stadt Eskisehir und in Ankara.

Inzwischen nutzen aber immer mehr Menschen die neue Form des Protests: Sie stehen stundenlang einfach nur still. Auf dem zentralen Taksim-Platz in Istanbul waren bis in die Nacht mehrere hundert schweigende Menschen versammelt. Sie protestierten gegen die aus ihrer Sicht autoritäre Regierung und die Polizeigewalt der vergangenen Tage. Am Mittwoch standen weiter Menschen aus Protest still. Ein türkischer Choreograph hatte in der Nacht zum Dienstag als „Stehender Mann“ stundenlang auf dem Taksim-Platz verharrt und damit die neue Protestform initiiert.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!