Fleißige Weibchen, kampflustige Männchen

GARTENTIERE: Wollbienen sind leicht mit Wespen zu verwechseln, haben aber keinen Giftstachel

  • Von Prof. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe
  • Lesedauer: 2 Min.

In meinem Garten gibt es eine ganze Reihe von Wildbienenarten. Manche wohnen auch außerhalb und beuten hier nur die Blüten aus. Während die meisten Bienen, die in irgendwelchen Höhlen brüten, mit Lehm bauen, verwendet eine Minderheit anderes Material. So die Blattschneiderbiene. Oder eine gelegentlich in einem meiner Nistblöcke siedelnde Biene, die beim Nestverschluss mit Harz arbeitet.

Und dann sind da noch die Woll- oder präziser: Zellwollbienen. Es sind ausgesprochen schöne Exemplare, die ob ihrer schwarz-gelben Musterung wohl zuerst oft als Wespen angesehen werden. Die Weibchen haben etwa die Größe von Honigbienenarbeiterinnen, die Männchen sind etwas größer.

Die Häufigkeit ihres Auftreten in meinem Garten ist wechselhaft. Vor einigen Jahren konnte ich eingehend das über den Blütenbesuch hinaus gehende charakteristische Verhalten dieser Bienen beobachten. Die Männchen flogen vor einer von Weibchen besuchten Blumenrabatte Patrouille. Abgesehen davon, dass sie bei sich bietender Gelegenheit über die Weibchen herfallen, stürzen sie sich im Flug auf potenzielle und auch irrtümlich für solche gehaltene Konkurrenten, selbst wenn es keinen Mangel an Nektar gibt. Betroffen sind oft Honigbienen. Aber ich sah auch wie größenmäßig weit überlegene Steinhummeln sowohl in der Luft als auch beim Besuch einer Fingerhutblüte angegriffen wurden. Bei ihren Attacken schlagen die Wollbienenmännchen mit ihrem Hinterleibsende zu. Das hat zwar keinen Giftstachel, ist aber mit einem spitzen Dreizack bewehrt. Honigbienen können dadurch zum Absturz gebracht und durch Brüche im Flügelgeäder flugunfähig gemacht werden.

An einem kleinen Hang hatte ich einige Stauden des Wolligen Ziestes bequem im Blickfeld. Dessen üppige Behaarung »weideten« die Weibchen als Nestmaterial. Und obwohl die Blätter auf beiden Seiten behaart sind, betätigten sie sich nur an der Unterseite, wo sie fleckenweise kleine Kahlstellen hinterließen. Man kann wohl sicher sein, dass sie auf der Oberseite ständig durch die den Bestand überwachenden Männchen belästigt worden wären.

Es ist erstaunlich, wie die Weibchen all das so zusammengeraffte Lockermaterial nach Hause transportieren können. Als Baumaterial ist es für sich allein noch nicht geeignet. Zu seiner Anfeuchtung sammeln die Weibchen Pflanzensekrete. In den textilen Nestverschluss werden oft Steinchen, Erdbröckchen oder Holzstückchen eingebaut.

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