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Alternativer Christopher Street Day wagt Neuanfang

Nach Rassismus-Diskussion im Vorfeld war das Straßenfest vom Organisatorenteam abgesagt worden

»Das einzige, wofür ich Schubladen brauche, sind meine Socken«, verkündete ein Pappschild auf dem Transgenialen Christopher Street Day (tCSD). Der Umzug, der sich als Alternative zum »großen« CSD versteht, zog am Samstagnachmittag vom Platz der Luftbrücke in Tempelhof bis zum Mariannenplatz in Kreuzberg.

Rund tausend Menschen demonstrierten so gegen die Schubladen in den Köpfen, gegen Sexismus, Rassismus und Homo- und Transphobie – und gegen die Kommerzialisierung queerer Lebensart und Politik in der Stadt. Der Umzug war bunt und die Stimmung gut, dennoch war in diesem Jahr einiges anders: Das Straßenfest im Anschluss an den Umzug war vor wenigen Wochen von den Veranstaltern abgesagt worden. Der Hintergrund der Absage: Im Mai war es bei einer Soliparty für den transgenialen CSD zu einem Eklat gekommen, weil in einer Performance rassistische Begriffe benutzt worden waren.

Im Zuge der Auseinandersetzung um den Vorfall entschied sich die Organisationsgruppe des tCSD dazu, das diesjährige Straßenfest in Kreuzberg abzusagen, um so einen Neuanfang für den tCSD zu ermöglichen. Am Samstag stieß diese Entscheidung bei vielen Teilnehmenden auf Verständnis: »Ich finde es gut, dass die jetzt nicht einfach ›Weiter so!‹ gesagt haben«, sagt Laura, die auch in den letzten Jahren beim tCSD dabei war. Das Straßenfest habe in den letzten Jahren ohnehin an politischem Profil verloren, vielen sei es nur noch um eine große Party gegangen, ergänzt sie.

Allerdings war das Straßenfest andererseits auch immer eine Möglichkeit für politische Gruppen, sich an Ständen zu präsentieren und so ihre Arbeit bekannt zu machen. Zwar sind viele dieser Gruppen am Samstag auch mit Redebeiträgen während des Umzugs präsent, diese gehen aber, wie bei Zwischenkundgebungen kaum zu vermeiden ist, oft etwas unter. »Für mich ist es schon schade, dass es kein Straßenfest gibt, ich fand das immer sehr spannend«, sagt dann auch eine Teilnehmerin, die von den Verwerfungen im Vorfeld gar nichts mitbekommen hatte. In einem Redebeitrag der Organisationsgruppe wird indes dazu aufgerufen, sich an den Vorbereitungen für den nächsten tCSD zu beteiligen – dann vielleicht auch wieder mit einem fröhlich-kämpferischen Straßenfest.

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