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Neue Baukonzepte auf Sparflamme

Geteilte Reaktionen auf die Absage an die IBA

Wie die »Draußenstadt« zur »Drinnenstadt« werden kann, werden wir womöglich nicht mehr erfahren. Jedenfalls nicht im Rahmen einer Internationalen Bauausstellung 2020. Diese sollte sich Stadträumen widmen, »die tatsächlich oder gefühlt draußen liegen«, um dem »weiteren Auseinanderdriften der Stadt in ein ›Drinnen‹ und ›Draußen‹ zu begegnen, wie es im Hause von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) heißt. Doch mit der gestrigen Senatsentscheidung sind die dafür eingeplanten 60 Millionen Euro erst mal gestrichen.«

Nicht alle sind darüber unglücklich. »Mit ihrem Ansatz wäre die IBA den drängenden Problemen des Berliner Wohnungsmarktes ohnehin nicht gerecht geworden«, so der stellvertretende Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Michael Roggenbrodt. Die »Draußen-Drinnen«-Konzeption hätte vielleicht die Interessen von Investoren und Architekten bedient, aber nicht die Frage beantwortet, wie behutsame Stadtergänzung ohne massiven Subventionsaufwand sozial und ökologisch gesteuert werden könnte. »Die jetzt eingesparten Gelder sollten direkt für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums eingesetzt werden«, fordert Roggenbrodt.

Bei den Berliner Architekten kommt dagegen die Streichung der IBA gar nicht gut an. Sie wäre »eine Chance gewesen, experimentelle und zukunftsorientierte Planungs- und Bauprozesse für Berlin auszuprobieren«, so die Präsidentin der Architektenkammer, Christine Edmaier. Sie hält das Konzept für tragfähig »und gerade im Zusammenhang mit dem spezifischen Berliner Wohnungsproblem für absolut richtig und aktuell«. Für den ohnehin erforderlichen Wohnungsbau könnte sie zu einer exzellenten Qualität führen und ein Schaufenster für die Kreativität Berlins werden. Edmaier appellierte an die Politik, die IBA »nicht sterben« zu lassen, sondern maximal um zwei Jahre zu verschieben.

Wie es ohne IBA weitergeht, wollte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher gestern Abend in der Friedrich-Ebert-Stiftung erklären. »Wir bedauern die Entscheidung, weil die IBA einen zusätzlichen Schub für den Wohnungsbau bedeutet hätte«, sagte Daniela Augenstein, Sprecherin des Stadtentwicklungssenators. Die Themen der Bauausstellung wie Wohnen in peripheren Lagen oder Nachverdichtung von Quartieren - etwa im zweiten Bauabschnitt der Karl-Marx-Allee - würden jedoch weiter bearbeitet, allerdings mit deutlich weniger Geld. Der historischen Mitte rund um das Rote Rathaus wolle man sich in diesem Zusammenhang aber nach wie vor nicht widmen.

Das hatte zuvor SPD-Landeschef Jan Stöß gefordert und damit bereits die Pläne seines Parteifreundes Michael Müller ins Wanken gebracht. Dieser Machtkampf habe bereits deutlich gemacht, wie schwach das Konzept Müllers war, sagte die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linkspartei, Katrin Lompscher. Für sie ist es deshalb »kein Beinbruch«, dass die IBA gescheitert ist. »Eine besondere städtebauliche Leitidee war nicht erkennbar.«

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