Werbung

Liebeslieder und Protestsongs

Crosby, Stills & Nash gaben ein famoses Konzert in Berlin

  • Von Thomas Grossman
  • Lesedauer: 4 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

One morning I woke up and I knew that you were gone ...» - mit diesen Zeilen des alten Liebesliedes «Carry On» von Crosby, Stills, Nash & Young begann am Freitag ein zweieinhalbstündiges Konzert in der fast ausverkauften Berliner Max-Schmeling-Halle. Nun, Neil Young war dieses Mal nicht dabei, hatte er doch vor kurzem sein eigenes Konzert in der Berliner Waldbühne. Aber auch ohne ihn gelang den drei alten Kämpen - alle um die 70 - ein famoses Konzert. David Crosby, mit schulterlangem weißen Haar und Walross-Schnauzer, bewegte sich an diesem Abend kaum, spielte aber gekonnt Gitarre. Graham Nash, weißhaarig, machte einen fast jugendlichen Eindruck, spielte Gitarre, Piano und Mundharmonika. Und Stephen Stills, mit nur noch wenig Haar - brillierte den gesamten Abend an der Gitarre - an dieser ein Meister, der sogar ein paar Tricks von seinem einstigen Freund Jimi Hendrix abgekupfert hat.«

Rückblick: David Crosby war in den 1960ern Mitglied von The Byrds (»Mr. Tambourine Man«) und wurde auch deshalb von der Gruppe gefeuert, weil er die regierungsoffizielle Erklärung, wer Präsident Kennedy ermordete, vor Publikum angezweifelt hatte. Graham Nash musizierte einst bei den britischen Hollies, die einige Welthits hatten, und verließ sie, weil sie ein Album mit allzu glatt polierten Bob-Dylan-Songs aufnehmen wollten. Und Stephen Stills kam in den 1960ern von Buffalo Springfield, einer prominenten Folk-Rock-Gruppe aus Kalifornien. 1968 gründeten die drei Ausnahmemusiker dann die Supergruppe Crosby, Stills & Nash.

»Ihr habt hier ja eine tolle Stadt, sehr lebendig«, wandte sich Graham Nash dann ans Berliner Publikum (zumeist im Alter von 50 plus). Und stieg mit seinen beiden Freunden dann in den Song »Marrakesh Express« ein, der eine Reise von Casablanca nach Marrakesch (offensichtlich auch eine tolle Stadt) preist. Diesen wie die meisten Songs am Abend sangen Crosby, Stills & Nash dreistimmig, wobei ihre Artikulation im Laufe der Jahrzehnte etwas dunkler geworden ist. Dann erklang das rockige »Long Time Gone«, ein Song, den Crosby an dem Tag geschrieben hat, an dem Robert Kennedy erschossen worden ist. »Es wird eine lange Zeit sein bis zum Morgengrauen«, heißt es im Lied dementsprechend.

Beide Songs und mehrere weitere am Abend stammen vom 1969er Debütalbum der Gruppe, das sie zu den wichtigsten Protagonisten der USA-Folk-Rock-Szene machte. Mit Vokalharmonien, empfindsamen Melodien und akustischer Feinarbeit. Als sie zum Touren einen weiteren Musiker brauchten, stieg Neil Young mit ein. Zusammen spielten die vier dann in Woodstock, wo Stephen Stills zu den Hunderttausenden rief: »Wir spielen erst das zweite Mal vor Publikum und haben die Hosen gestrichen voll.«

»And I feel like I›ve been here before‹« tönte es dann in Berlin aus den Boxen, der Refrain eines weiteren Klassikers der Gruppe - »Déjà Vu«. Jetzt durften fast alle aus der Begleitband - ein Gitarrist, ein Bassist, ein Drummer und zwei Keyboarder (darunter Crosbys Sohn) - Soli spielen. Und Nash erklärte, dass dies die beste Backing Band wäre, mit der sie je gespielt hätten. »Déjà Vu« ist der Titelsong des zweiten Albums von Crosby, Stills, Nash - und Young - , ein grandioser Erfolg, nicht nur in den USA in den Charts eine Nummer eins.

»Warum sagt man eigentlich immer«, so Crosby am Freitag, »wir seien eine politische Band, wo wir doch meist Liebeslieder singen? Natürlich ab und an auch was Politisches!« Und so ertönte »What Are Their Names« von 1971, eine vernichtende Kritik an den Herrschenden in Washington. Und es erklang »Chicago«, ein Protestsong über Unruhen 1968 in dieser Stadt, mit der von Graham Nash geänderten Zeile: »Wir fragen nicht Obama, ob er uns hilft, denn er könnte uns der Polizei überstellen.«

Auch einige neue, hörenswerte Songs erklangen, »die wir«, so Nash, »an euch, am Publikum, testen«. Doch in der »letzten Kurve« zum Konzertende hin kamen dann noch ein paar ältere »Schwergewichte«: »Almost Cut My Hair«, ein grandioses Lied über die einstige Ächtung von Langhaarigen, und »Wooden Ships«, ein Song über einen drohenden Nuklearkrieg, der das Lebensgefühl der jungen Amerikaner zur Zeit des Vietnam-Krieges traf.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!