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Erfolg nach drei Tagen Besichtigung

Stadt Düsseldorf ließ Wohnungen leer stehen, Bündnis erzwang Gespräche

Knapp 250 Wohnungen lässt ein städtisches Unternehmen in Düsseldorf trotz großer Wohnungsnot leer stehen. Mit einer »dauerhaften Wohnungsbesichtigung« erzwangen Aktivisten nun die Gesprächsbereitschaft des Managements.

Wohnen sei in Düsseldorf Luxus, sagt Michael Groschek. Er muss es wissen: Der Sozialdemokrat ist Bauminister des Landes Nordrhein-Westfalen und residiert selbstredend in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Luxus mag kein Problem sein für den Durchschnittsdüsseldorfer, der zweieinhalb Mal so viel verdient wie der Durchschnittsdeutsche. Doch auch in der Schickimicki-Stadt sind Vermögen und Einkommen nicht egalitär verteilt. Auch hier wollen Menschen mit mittleren oder gar kleinen Einkommen leben. Die Stadt tut wenig für ihre Nicht-Millionäre. Zwischen 2001 und 2010 sank beispielsweise die Zahl der Sozialwohnungen um 37 Prozent, und der Bestand »wird weiter zurückgehen«, heißt es lapidar in einem offiziellen Wohnungsmarktbericht der von einem CDU-Oberbürgermeister regierten Stadt. »Hier schießen nur noch Luxusimmobilien aus dem Boden«, ärgert sich Julia von Lindern, Sprecherin des Düsseldorfer Bündnisses für bezahlbaren Wohnraum, das von Obdachloseninitiativen und der radikalen Interventionistischen Linken über Linkspartei, Attac und ver.di bis hin zur Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) reicht.

Von Lindern fordert eine städtische Bauoffensive. Doch das bleibt vorerst Zukunftsmusik. Im Hier und Jetzt lässt die Städtische Wohnungsgesellschaft Düsseldorf AG (SWD) knapp 250 Wohnungen leer stehen. Darunter auch über 30 an der Hammer Dorfstraße. Die Stadt lasse die Wohnungen bewusst vergammeln, glaubt von Lindern. Abwarten, dann kernsanieren oder abreißen, so lautet die offizielle Maxime der SWD. Preisgünstig würden die neuen Wohnungen künftig wohl kaum vermietet. Die Gegend liegt nur einen Steinwurf weit entfernt vom hippen und besonders luxuriösen Medienhafen.

Binnen drei Tagen gelang den Aktivisten des Bündnisses für Bezahlbaren Wohnraum ein ansehnlicher realpolitischer Erfolg: Mit einer dreitätigen »dauerhaften Wohnungsbesichtigung« erzwangen sie die Gesprächsbereitschaft der SWD-Führung.

Am Donnerstag, dem ersten Tag der »Besichtigung«, kam SWD-Chef Jürgen Heddergott persönlich vorbei. Heddergott habe den Mietern Renovierungen in Aussicht gestellt und den Besichtigern Nutzungsverträge für drei Jahre, berichtet Julia von Lindnern. Die Streetworkerin bewertet das gegenüber »nd« als »Riesenerfolg«. Für den kommenden Donnerstag habe man sich zu weiteren Verhandlungen verabredet. »Die haben gemerkt, dass hinter uns Druck steht, sie wollten eine Eskalation vermeiden«, glaubt von Lindern. Am Samstag pünktlich um 21 Uhr zogen die Besichtiger wieder aus, so wie mit SWD-Chef Heddergott abgesprochen.

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