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Hort der guten Laune

DFB-Frauen gelingt durch 4:2-Sieg gegen Japan erfolgreiche EM-Generalprobe

  • Von Frank Hellmann, München
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der deutsche Talentschuppen in der Frauen-Nationalmannschaft vertreibt das japanische Trauma und scheint gut gerüstet für die EM.

Eine Respektsperson kann einer Rasselbande nicht schaden. Ein bisschen überrascht waren die Protagonisten bei den deutschen Fußballfrauen schon, wer ihnen am Sonntagmorgen plötzlich in ihrer Unterkunft im Englischen Garten die Leviten las. Herbert Fandel, der Boss der deutschen Referees, führte die obligatorische Regelkunde im Auftrag der UEFA durch. Und dazu hatte der Schiedsrichterchef gleich noch ein Lehrvideo mitgebracht: Das gegnerische Trikot festhalten oder das eigene Jersey ausziehen wird bei der bevorstehenden Frauen-EM in Schweden (10. - 28. Juli) flugs mit Gelb bestraft.

Niemand muss sich sorgen, dass derlei Warnhinweise nicht ankommen. Zuhören, aufnehmen, umsetzen gilt nämlich als große Stärke der nachrückenden deutschen Generation. Nach dem unterhaltsamen 4:2 (1:1) gegen Japan bei der Generalprobe in München zeigte sich Silvia Neid schwer beeindruckt von Lust und Leidenschaft, Leichtigkeit und Lerntempo ihres Talentschuppens, der bereits eine beängstigende Frühform offenbarte. »Das waren schon 100 Prozent«, stellte die Bundestrainerin verblüfft fest, »damit haben wir uns Respekt verschafft. Ich weiß nur nicht, ob wir die Leistung immer abrufen können.«

Dass im Land des siebenfachen Frauen-Europameisters zugleich die Erwartungshaltung wieder sprunghaft steigt, ficht die 49-Jährige nicht an. »Wir können das ohnehin nicht aufhalten.« Und warum sollen junge Wilde wie Leonie Maier gebremst werden, die wie Philipp Lahm zwischen Rechts- und Linksverteidigerin wechseln kann und mal eben mit einem Linksschuss von der rechten Seite den Torreigen in Fröttmaning eröffnete (17.). Die mit Unterstützung des DFB-Sponsors und des Bayrischen Fußball-Verbands gelockte Rekordkulisse von 46 104 Augenzeugen geriet am Samstag genauso in Verzückung wie die Trainerin. »Leonie ist echt der Wahnsinn. Sie ist die Zukunft des Frauenfußballs.« Beidfüßig und ballgewandt, dazu frech und forsch.

Auffällig, dass das bald beim FC Bayern spielende Talent lange in Jungenmannschaften mitgemischt und sich eine Robustheit angeeignet hat, die das fast unveränderte Weltmeisterteam sichtlich überrumpelten. In der deutschen Elf wirkten als Relikte aus 2011 anfangs noch Kapitänin Nadine Angerer, Saskia Bartusiak und Celia Okoyino da Mbabi mit. Die emsige Torjägerin trug mit einem Doppelpack (47./Foulelfmeter und 87.) entscheidend dazu bei, das japanische Trauma zu vertreiben. Die 25-Jährige hatte am Tag zuvor ihren Wechsel zum 1. FFC Frankfurt verkündet und räumte nun ein: »Der Kopf ist frei.« Deshalb konnte sie den finalen Elfmeter generös ihrer künftigen Klubkollegin Simone Laudehr (90.+2) überlassen, die nach überstandenem Knorpelschaden übrigens auch glaubt, dass dieser Hort der guten Laune schon in Südschweden »Riesenbäume versetzen kann«.

Noch bis Mittwoch dauert in München der letzte Lehrgang. Anschließend gibt es drei Tage Heimaturlaub, ehe nächsten Sonntag in Frankfurt die Chartermaschine startet, um das erste Quartier in der Kleinstadt Växjö zu beziehen, wo die ersten Gruppenspiele gegen die Niederlande (11. Juli) und Island (14. Juli) stattfinden. Da von zwölf EM-Teilnehmer in drei Vierer-Gruppen acht Teams das Viertelfinale erreichen, könnte bereits vor dem Duell gegen Norwegen (17. Juli in Kalmar) das Weiterkommen geklärt sein. Silvia Neid hat tief im Inneren die Überzeugung verankert, dass ihrem totalrenovierten Aufgebot alles zuzutrauen ist. Auch der EM-Titel.

Und wer behauptet, die Jugendwelle sei zuvorderst den Rücktritten und dem Verletzungspech geschuldet verkennt, wen im Kader gerade der Bannstrahl getroffen hat. Melanie Behringer, immerhin 88-fache Nationalspielerin, mischte in allen drei Testspielen nicht eine Minute mehr mit. Während die erst 18-jährige Sara Däbritz aus der Freiburger Talentschmiede nun als nächstes debütieren durfte, brauchte sich die 27-jährige Frankfurterin nicht mal mehr warmzulaufen.

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