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Bedrohungen für Moskau auf dem Radar

Modernste Anlagen für russische Raketenabwehr in der strategischen Richtung Westen

  • Von Irina Wolkowa, Moskau
  • Lesedauer: 2 Min.
Vier neue Radaranlagen sollen demnächst bei Moskau in Stellung gehen und die russische Hauptstadt zuverlässig vor Angriffen aus allen Himmelsrichtungen schützen.

Die Radare des Typs 96L6E gehören zu den Spitzenprodukten der russischen Militärindustrie und lassen, vor allem dann, wenn sie mit S-300-Raketenabwehrsystemen kombiniert werden, einem gegnerischen Angreifer keine Chance. Das sagt jedenfalls der stellvertretende Befehlshaber der Einheiten der Luft- und Weltraum-Abwehr, Kyrill Makarow.

Seinen Worten zufolge kann ein 96L6E-Radar gleichzeitig bis zu 100 anfliegende Ziele erfassen und die dabei ermittelten Koordinaten an die Feuerleitradare der Batterien übermitteln. Erfasst wird alles, was in Höhen zwischen fünf und 300 Kilometern fliegt. Neben Raketen auch Flugzeuge, Hubschrauber und Drohnen.

In den nächsten fünf Jahren würden weitere sieben hochmoderne Radare des Typs Woronesh-DM in Dienst gestellt werden, die Moskau und die industriellen Ballungsgebiete Zentralrusslands verlässlich schützen, hatte Präsident Wladimir Putin Anfang Juni beim Besuch in der Moskauer Kommandozentrale der russischen Streitkräfte angekündigt: Kurz zuvor waren das erste Radar der neuen Serie in Armawir im nördlichen Kaukasusvorland an das Diensthabende System angeschlossen und damit die Lücke im russischen Raketenschild geschlossen worden, die nach Moskaus Verzicht auf das »Große Ohr« im aserbaidschanischen Gabala entstand. Mit dem dort 1985 in Betrieb genommenen Radar kontrollierte die Sowjetunion den Luftraum vom östlichen Mittelmeer bis nach Afghanistan.

Das moderne Radar in Armawir, so Putin, sei ein »wichtiges Glied« im russischen Raketen-Frühwarnsystem, das mehr Sicherheit in allen vorrangigen, strategischen Richtungen garantiere. Gemeint waren Westen und Südwesten. Vor allem dort - in Polen, Tschechien, Rumänien und Bulgarien - wollen die USA Teile ihres globalen Raketenabwehrsystems installieren, durch das Moskau sich bedroht sieht. Russland verlangt völkerrechtlich verbindliche Garantien dafür, dass die Abwehrstellungen nicht auf Russland gerichtet sind und damit dessen Verteidigungsfähigkeit gefährden. Weißes Haus und State Department sind bisher nur zu entsprechenden mündlichen Zusagen bereit.

Hoffnungen auf einen Kompromiss im Raketenabwehrstreit mit den USA tendieren in Moskau, obwohl Verhandlungen dazu auf Expertenebene fortgesetzt werden, gegen Null. Unfreundliche Akte und »asymmetrische Antworten« der jeweils anderen Seite haben dafür gesorgt, dass das bilaterale Verhältnis in letzter Zeit einen Wärmegrad wie zu Zeiten des Kalten Krieges erreichte. Akuteste Belastung seit gut einer Woche ist der US-amerikanische Whistleblower Edward Snowden. Er hatte sich nach Enthüllungen zu Abhörskandalen und Spähprogrammen der US-Geheimdienste ins Ausland abgesetzt und wartet derzeit im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf politisches Asyl in Lateinamerika.

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