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Für Conergy sieht es düster aus

Solaranlagenhersteller muss Insolvenz beantragen / Harter Schlag für Frankfurt (Oder)

Das Solarunternehmen Conergy beantragte am Freitag Insolvenz. Die Krise der Solarbranche dauert an.

Hamburg/Frankfurt (Oder) (Agenturen/nd). Schon wieder eine Pleite in der krisengeschüttelten Solarbranche: Der einstige Börsenstar Conergy ist überschuldet und hat beim Hamburger Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das teilte das Unternehmen, das rund 1200 Mitarbeiter beschäftigt, am Freitag mit. Betroffen sind alle wichtigen deutschen Tochtergesellschaften, auch die Modulfertigung in Frankfurt (Oder). Grund sei eine unerwartete Zahlungsverzögerung aus einem Großprojekt, teilte Conergy mit. Zudem hätten sich die kreditgebenden Banken nicht auf ein vom Vorstand vorgelegtes Zukunftskonzept verständigen können, das den Einstieg eines Investors vorsah.

In Brandenburg bringt die Insolvenz über 500 Arbeitsplätze in Gefahr. Das Wirtschaftsministerium in Potsdam kündigte an, so schnell wie möglich Kontakt mit der Unternehmensführung aufzunehmen, um bei der Suche nach einem Nachfolgeinvestor zu helfen. Ein endgültiges Aus wäre für Frankfurt ein herber Schlag: Die Stadt hatte bereits die Schließung der beiden Werke des US-Konzerns First Solar zu verkraften. In Frankfurt sind nach Unternehmensangaben rund 320 und am Standort Rangsdorf (Teltow-Fläming) 200 Menschen beschäftigt.

Die Bezirksleitung der IG Metall wollte die Entwicklung vorerst nicht kommentieren. Zunächst sei es notwendig, mit dem Betriebsrat zu sprechen und mehr Informationen einzuholen, sagte der Sprecher der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, Bodo Grzonka.

Conergy kämpft seit Jahren ums Überleben. Das Unternehmen hofft, dass im Insolvenzverfahren ein Investor gefunden wird, der den Geschäftsbetrieb weiterführt.

»Wir haben unseren kreditgebenden Banken in den vergangenen 15 Monaten zwei konkrete Vorschläge für den Einstieg eines strategischen Investors vorgelegt und bedauern es sehr, dass sie diesbezüglich in keinem Fall eine verlässliche Einigung über eine zeitnahe Umsetzung erzielen konnten«, sagte Conergy-Chef Philip Comberg. Die Conergy-Aktie brach um zeitweise 68 Prozent ein. Im Herbst 2007 notierte das Papier noch bei über 200 Euro, am Freitag lag der Kurs bei 12 Cent.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat bereits vor zwei Jahren sechs frühere Conergy-Spitzenkräfte angeklagt. Nach dem Willen der Behörde sollen sich Ex-Aufsichtsratschef Dieter Ammer und fünf ehemalige Manager vor der Wirtschaftskammer des Landgerichts wegen Verdachts der Marktmanipulation, der Bilanzfälschung sowie des verbotenen Insiderhandels verantworten.

Unterdessen wurde bekannt, dass China im Solarstreit mit der EU offenbar einen Kompromiss vorgeschlagen hat: Peking könnte den Export von Solarmodulen nach Europa bei einer Leistung von zehn Gigawatt deckeln, berichteten am Freitag die »Shanghai Securities News«. Das wäre die Hälfte der Jahresproduktion. 2012 hatte China demnach Solarmodule mit einer Leistung von zwölf Gigawatt nach Europa ausgeführt. Die EU wirft China Dumping vor und hat daher vorläufige Schutzzölle verhängt. Die chinesische Entwicklungs- und Planungskommission schlägt zudem einen Mindestpreis für die Module vor.

Im Gegenzug verlangt China Zugeständnisse von der EU: Für Solarmodulexporte unterhalb der Obergrenze sollen keine oder nur sehr geringe Zölle gelten; Ausfuhren über dem Deckel sollen »gemäß der geltenden Regelungen« verzollt werden.

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