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Überstunden statt Vollzeitstellen

Asklepios Kliniken in Hamburg machen gute Rendite auf Kosten der Mitarbeiter

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In den Service-Unternehmen des Asklepios Konzerns in Hamburg stehen die Zeichen auf Streik. Niedriglöhne und Stellenstreichungen riefen die Gewerkschaft auf den Plan.

Für elf Auszubildende des Krankenhausunternehmens Asklepios in Hamburg hat sich der Stress vor den Prüfungen gelohnt. Erst hieß es, sie würden vom Betrieb nicht übernommen werden. Nun kündigte Asklepios die Weiterbeschäftigung an. Dennoch liegt beim privaten Gesundheitsbetrieb einiges im Argen.

Im Mai und Juni liefen Warnstreiks bei Asklepios-Service Hamburg (ASH), einem ausgelagerten Tochterunternehmen des Klinikkonzerns, das für die Bereiche Reinigung, Küche und Logistik zuständig ist. Derzeit bestehe dort ein »Tarifcocktail, bei dem sich Asklepios aus einzelnen Tarifverträgen selbst etwas zurechtmischt«, beschreibt Björn Krings von ver.di Hamburg die Situation. Die meisten ASH-Kräfte verdienen weniger als 9,50 Euro in der Stunde für einen »sehr, sehr harten Job mit immer mehr Arbeitsverdichtung«, wie ein Betroffener schildert.

ver.di fordert je nach Tätigkeit 9,50 und 10,60 Euro Stundenlohn. Auch dies läge noch, so Krings, »30 bis 50 Prozent« unter den Tarifen, die die Gewerkschaft für die Beschäftigten des Mutterkonzerns aushandeln konnte. »Wir wollen einen Haustarifvertrag, der auch krankenhausspezifische Tätigkeiten berücksichtigt.« Bislang orientiert sich Asklepios an den niedrigeren Tarifsätzen der IG Bau (Gebäudereinigung) und der DEHOGA (Küche und Logistik) und plant zudem eine Neustrukturierung der Töchterunternehmen. Im Herbst sollen die Servicekräfte in nach Branchen aufgeteilten Unternehmen organisiert werden, die gewerkschaftlichen Warnstreiks sind daher auch Vorwarnstreiks für eine neue Asklepios-Organisationsstruktur. Für diese Woche kündigte ver.di einen dreitägigen Streik an.

ASH ist mit 900 von insgesamt 1400 Servicekräften die größte Tochter der Asklepios Kliniken Hamburg GmbH. Jenes Unternehmen erwarb 2004 74,9 Prozent am städtischen Landesbetrieb Krankenhäuser (LBK), der privatisiert wurde, obwohl sich in einer (allerdings rechtlich unverbindlichen) Volksabstimmung mehr als drei Viertel der Hamburger dagegen ausgesprochen hatten. Der damalige Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hat den Verkauf inzwischen als Fehlentscheidung bezeichnet.

Rund die Hälfte der 900 ASH-Beschäftigten verfügt nur über einen befristeten Arbeitsvertrag, was die Bereitschaft zu gewerkschaftlichem Engagement erfahrungsgemäß einschränkt. Krings fordert eine »massive Reduzierung der Befristung ohne Sachgrund«.

Asklepios verbuchte zuletzt einen Reingewinn von über 60 Millionen Euro. Der Konzern, nach eigenen Angaben »Marktführer in den relevanten Wettbewerbsfeldern Größe, Rendite und Innovation«, plant dennoch, in seiner Klinik im Stadtteil Altona die Station 13 A für Neurochirurgie zu schließen und Stellen zu streichen. »Der Personalabbau war bisher eher schleichend«, schildert der zuständige ver.di-Sekretär Dr. Arnold Rekittke: »Dass jetzt der größte Krankenhausbetreiber Hamburgs über 100 Beschäftigte nicht ersetzen will, ist ein Skandal.«

»In Altona fehlen bereits jetzt über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter«, kritisiert Kersten Artus, gesundheitspolitische Sprecherin der LINKEN in der Hamburgischen Bürgerschaft: »Allein 2012 mussten mehr als 41 000 Überstunden geleistet werden, das entspricht 21 Vollzeitstellen.« ver.di Hamburg spricht von einer Fehlquote von 19,3 Prozent. Patienten würden, argwöhnt die Abgeordnete Artus, »nur noch als Geldeinnahmequelle gesehen werden, anstatt pflegerisch optimal versorgt zu werden«.

Immerhin bekommen die Patienten bei Spaziergängen auf dem Klinikgelände seit einigen Monaten etwas Neues zu sehen. An der Altonaer Klinik wurde erst in diesem Jahr das alte LBK-Zeichen durch ein Asklepios-Logo ersetzt.

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