Werbung

Drama in der Großstadt

Der Spanier Eneko Llanos gewinnt den Ironman in Frankfurt vor dem Hannoveraner Jan Raphael

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Der Spanier Eneko Llanos gewinnt vor dem Hannoveraner Jan Raphael einen spektakulären Ironman in Frankfurt am Main. Hawaii-Sieger Pete Jacobs kommt im Wanderschritt ins Ziel.

Irgendwann hockten sich Jan Raphael und Timo Bracht unbemerkt gemeinsam vor die Werbewand in den Schatten. Vor den beiden ging im tosenden Zielkanal am sonnenüberfluteten Römerberg gerade ein weiterer Triathlet erschöpft in die Knie und die Dopingkontrolleure waren bereits dabei, den Sieger Eneko Llanos des Frankfurt Ironman keine Sekunde mehr aus den Augen zu lassen, als sich Raphael eine Flasche Wasser über den Kopf ausschüttete, die ihm sein Ratgeber Bracht gereicht hatte.

In einem hitzigen Showdown der Extreme über die 3,8 Kilometer Schwimmen im Langener Waldsee, 180 Kilometer Radfahren im Main-Kinzig-Kreis und 42 Kilometer Laufen am Mainufer sollte an der Überlegenheit des 36-jährigen Spaniers (»Ich bin sehr müde, aber sehr glücklich«) kein Zweifel bestehen, aber die eigentliche Sensation stellte der zweite Platz eines Ausdauersportlers aus Hannover dar. »Ich bin es schon gewohnt, dass ich vorher keine größere Rolle spiele«, sagte der 33-jährige Raphael im Anflug stiller Genugtuung, »aber ich fliege auch ganz gerne unter dem Radar durch.«

In einem inzwischen aufgelösten Team mit Normann Stadler und Bracht gab Raphael einst den lange verkannten Schattenmann. Warum es beim wichtigsten Langdistanz-Triathlon auf deutschem Boden nun zum größten Karriereerfolg reichte, schrieb er einem erst kürzlich absolvierten Trainingscamp in Eberbach bei seinem Mentor Bracht zu. »Wir haben bewusst den Druck rausgenommen, und Jan hat abends mit meinen Kindern gespielt. Wer in Frankfurt vorne sein will, muss nicht unbedingt schnell, aber stark im Kopf sein«, so der 37-jährige Bracht, der 2007 und 2009 hier siegte und nächste Woche bei der Konkurrenzveranstaltung in Roth startet.

Llanos überholte Raphael übrigens beim Laufen, als dieser einen Abstecher aufs Dixi-Klo einlegte. Bracht glaubt, dass der Iberer derzeit »den stärksten Ironman der Welt gibt.« Zweifel, dass es da nicht mit rechten Mitteln zugeht, zerstreut Llanos mit dieser standardisierten Antwort. »Ich werde regelmäßig getestet. Auch oft unangemeldet.« Der tatsächlich nicht vorbelastete Bruder des Triathlon-Profis Hektor Llanos hat nun auch gute Chancen, sich im Oktober in Kona die Ironman-Krone aufzusetzen. Denn der aktuelle Weltmeister erlebte bei der Europameisterschaft am Main fast ein Trauma: Pete Jacobs musste bei völliger Erschöpfung auf der Marathonstrecke irgendwann Gehpausen einlegen und quälte sich die finalen acht Kilometer im Wanderschritt nach für ihn indiskutablen 9:33:23 Stunden vor allem deshalb noch ins Ziel, weil der 31-Jährige für die Hawaii-Qualifikation einen Ironman beendet haben muss. Zur Ehrenrettung des Gestrauchelten sei gesagt: Er hat seinen Formaufbau anders ausgerichtet.

Auch aus deutscher Sicht lagen die Tränen der Freude und Enttäuschung eng beisammen: Der von einer Fußverletzung geplagte Andreas Böcherer (5.) und der Überraschungssechste Christian Ritter wussten kaum wohin mit ihrer Freude, während dem im Ziel zusammengebrochenen Michael Raelert (7.) oder dem trotz einer Antibiotikabehandlung bravourös kämpfenden Sebastian Kienle (9.) eher zum Heulen zumute war.

»Diese Erfahrung wünsche ich keinem. Das ist ein Moment, wo man sagt: ›Leute, hört auf mit dem Sport, das ist gesundheitsgefährdend‹«, gab der jüngere der Raelert-Brüder erschöpft zu Protokoll. Lehrgeld zahlte auch der von der Kurzdistanz umgestiegene Daniel Unger, der aber bei seiner Premiere nach 8:30:04 Stunden immerhin noch auf Platz 16 kam. Und damit drei Ränge vor dem belgischen Titelverteidiger Marino Vanhoenacker landete, der - wie schon auf Hawaii - zwar als Erster vom Rad stieg, aber sich erneut sinnfrei vorausgabt hatte. Geschickter ging da schon der Niederländer Bas Diederen vor, der überraschend Dritter (8:12:07) wurde.

Schnellste Frau war die Dänin Camilla Pedersen in 8:56:01 Stunden vor der Britin Jodie Swallow (:58:43) den Sieg. Dritte wurde Kristin Möller aus Gera (9:01:55 Stunden». «Es war mein Traum, hier in Frankfurt auf dem Podium zu stehen. Das habe ich mir erfüllt», sagte die 29-Jährige überglücklich.«

EM Männer (3,8 km Schwimmen, 180 km Rad, 42,195 km Laufen): 1. Llanos (Spanien) 7:59:58, 2. Raphael (Hannover) 8:07:19, 3. Diederen (Niederlande) 8:12:07, ... 5. Böcherer (Freiburg) 8:15:13, 6. Ritter (Leipzig) 8:16:30, 7. Raelert (Rostock) 8:16:58, 9. Kienle (Karlsruhe) 8:18:38.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen