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Große Ambitionen

Luc Bessons »Cité du cinéma«: Filmpark sucht Kinoproduktionen

  • Von Andrea Klingsieck
  • Lesedauer: 4 Min.

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Ein französischer Filmpark, der es mit Konkurrenten wie Babelsberg oder Hollywood aufnehmen kann und internationale Produktionen nach Frankreich zieht - dies war der etwas großspurige Traum, den Regisseur und Produzent Luc Besson seit mehr als 15 Jahren hegte. Nach langen Vorbereitungen und dreijährigen Bauarbeiten wurde im Herbst vergangenen Jahres der Kinopark in der nördlichen Pariser Vorstadt Saint-Denis dann unter dem offiziellen Namen »Studios de Paris« eingeweiht.

In dieser in Europa bisher einmaligen Filmstadt ist auf einer Gesamtfläche von 62 000 Quadratmetern die gesamte Produktionskette für Kino- und Fernsehfilme vereint: neun riesige Filmstudios mit einer Gesamtfläche von 10 000 Quadratmetern, zahlreiche Werkstätten für Filmdekors, Lagerhallen für Ausstattungsmaterial, Schnitträume etc. Hinzu kommen zwei Filmhochschulen und ein Restaurant. Insgesamt 23 000 Quadratmeter dienen als Büroräume, von denen Bessons Produktionsfirma EuropaCorp den Großteil bereits weitervermietet. Im Herzen des Filmparks: ein stillgelegtes Kraftwerk aus den 30er Jahren, das dem Regisseur einst als Kulisse für Szenen in »Nikita« (1990) und »Léon« (1994) gedient hatte, und das nun als riesige Halle mit zahlreichen Büros umgebaut wurde.

Ein Blick zurück: Anfang der 2000er Jahre gründete der französische Erfolgsregisseur Luc Besson seine eigene Produktionsfirma und hegte die Ambition, daraus eine europäische Kinomajor zu machen. Dazu brauchte er einen Ort, an dem er vor allem internationalen Produktionen alle notwendigen Dienstleistungen anbieten kann; insbesondere riesige Filmstudios, welche die bei ausländischen Regisseuren äußerst beliebten Pariser Außendrehorte komplettieren. Doch Besson blieb mit seinem etwas überdimensionalen Traum lange Zeit allein. EuropaCorp konnte die notwendigen 180 Millionen Euro allein nicht aufbringen, und die Suche nach Investoren erwies sich als schwierig.

Dann brachte die damalige Rechtsregierung unter Nicolas Sarkozy ihre Finger ins Spiel, belebte Bessons Idee wieder und erhob sie zu einem gemeinnützigen Projekt. Sie entschied, die staatliche Filmhochschule Louis-Lumière in die zukünftige »Cité« zu verlegen. Vor allem aber machte sie auf die staatliche Investitionsbank »Caisse de Dépôts« Druck, welche das Projekt mehrmals als zu riskant abgelehnt hatte. Diese gab nach - jedoch unter der Bedingung, dass das Projekt in zwei streng getrennte Gebilde aufgespalten wird: das finanziell riskante Filmstudio einerseits, das sehr viel lukrativere Immobilienprojekt andererseits. Die 150 Millionen Euro für die Finanzierung des Kaufs des Grundstücks und die Schaffung der Büroräume wurden somit durch die »Caisse de dépôts« (75 Prozent) und die Baufirma Vinci Immobilier (25 Prozent) getragen. Die 30 Millionen Euro für die Schaffung der Filmstudios wurden zu 50 Prozent durch EuropaCorp, zu je 25 Prozent durch die Euro Média Group und den tunesischen Geschäftsmann und Produzenten Tarak Ben Ammar finanziert.

Heute dreht sich alles um die Frage, ob und wie es den Investoren gelingen wird, die Filmstudios zu füllen. Für kleinere oder mittelgroße Filmbudgets ist die »Cité du cinéma« schlicht zu teuer. Zwar wurden in den letzten Monaten bereits mehrere Filme in den neuen Studios gedreht - darunter »Red 2« mit Bruce Willis und »Three days to kill« mit Kevin Costner -, doch die meisten davon waren EuropaCorp-Produktionen. »Wir brauchen pro Jahr mindestens einen amerikanischen Blockbuster und mehrere größere, französische Produktionen, um rentabel zu sein«, erklärt Didier Diaz von der Euromedia Group. Das Problem ist jedoch, dass Frankreich trotz seiner Außendrehorte und seines Filmparks derzeit kein Traumziel für Kinoproduzenten ist. 2012 wurden mehr als die Hälfte aller größeren französischen Kinofilme im Ausland gedreht, das nicht nur niedrigere Lohnkosten, vor allem aber auch Steuervorteile bietet. Nur drei Prozent der internationalen Produktionen, die im vergangenen Jahr in Europa gedreht wurden, wählten dafür Frankreich aus.

Die französische Regierung hat unlängst die Obergrenze der Steuervorteile für ausländische Produktionen, die einen Teil ihrer Dreharbeiten nach Frankreich verlegen, von bisher vier auf zehn Millionen Euro angehoben. Bleibt abzuwarten, ob dies ausreichen wird, um Großproduktionen nach Saint-Denis zu locken.

Bisher machte die wirtschaftliche Logik auch vor dem Meister selbst nicht Halt: Luc Besson produzierte Anfang des Jahres ein »Angélique«-Remake, dessen Dreharbeiten aus Kostengründen gar nicht in Saint-Denis stattfinden, sondern - in Prag.

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