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Lehren aus der Katastrophe

Brandschutzabkommen in Bangladeschs Bekleidungsindustrie tritt in Kraft

Das Abkommen zu Brandschutz und Gebäudesicherheit sieht wichtige unmittelbare Verbesserungen vor. Doch die Arbeit in den Bekleidungsfabriken bleibt hart.

Das Brandschutzabkommen für die Textilindustrie Bangladeschs kann in Kraft treten. 45 Tage nach der Unterzeichnung gab das Steuerungsgremium, dass die Modalitäten für die Umsetzung des Abkommens ausgearbeitet hat, grünes Licht. Nach dem verheerenden Einsturz eines Geschäftsgebäudes mit mehreren Bekleidungsfabriken am 24. April hatten insgesamt rund 70 namhafte Bekleidungsfirmen - darunter Branchenriesen wie H&M, Inditex (Zara) oder KiK - Abkommen unterzeichnet. Nach diesem erneuten schweren Unglück in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka war der Druck auf die Branche so groß geworden, dass sie reagieren musste. Bei dem Unglück waren rund 1130 Arbeiterinnen und Arbeiter ums Leben gekommen, über 2500 wurden teils schwer verletzt.

Das Abkommen zu Gebäudesicherheit und Brandschutz in Bangladesch hatten lokale wie internationale Gewerkschaften ausgearbeitet. Es beinhaltet weitreichende Verbesserungen in den Bekleidungsfabriken. Allen voran sollen in den den nächsten neun Monaten die Untersuchungen und Bestandsaufnahmen in den Fabriken abgeschlossen sein, um schwere Mängel zu finden und den Bedarf für Reparaturen zu ermitteln. Das Rana Plaza war einen Tag nachdem lokale Behörden Risse in den Wänden entdeckt hatten und das Gebäude eigentlich hätte evakuiert bzw. gesperrt werden müssen. Doch die Bosse der Bekleidungsfabriken zwangen die Arbeiterinnen teilweise wieder an die Nähmaschinen zurück.

Nun soll ein Frühwarnsystem implementiert werden: Tauchen Schäden wie beim Rana Plaza und damit eine Gefahr für Leib und Leben der Beschäftigten auf, werden die Gebäude gegebenenfalls gesperrt. »Die Arbeiterinnen erhalten während der Renovierungen ihren Lohn weiter«, sagt Frauke Banse von der internationalen Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign CCC).

Die Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit in den Fabriken und die Untersuchung durch wirklich unabhängige Firmen stellen den wichtigsten Aspekt des Abkommens dar. Zwar warben viele westliche Konzerne damit, dass die Bekleidungsfabriken regelmäßig überprüft werden, doch mit der Unabhängigkeit dieser sogenannten Audits war es nicht weit her. In Bangladesch gibt es viele Firmen, die mit Bescheinigungen über »unabhängige« Audits handeln. Bis zum 15. Juli sollen nun Informationen der unterzeichnenden westlichen Firmen sowie detaillierte Pläne aller beteiligten Fabriken in Bangladesch gesammelt werden.

Wie die internationale Clean Clothes Campaign mitteilte, wurde ein Steuerungsgremium gewählt, das aus hochrangigen VertreterInnen von internationalen Gewerkschaften besteht. Den Vorsitz hat eine Person der Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen, ILO. Im Beirat sitzen Vertreterinnen und Vertreter von lokalen Gewerkschaften, Bangladeschs Regierung, Bekleidungskonzernen und -fabriken Nichtregierungsorganisationen. »Unsere Mission ist klar«, sagte Jyrki Raina, Generalsekretär des internationalen Gewerkschaftsverbandes IndustriAll.

Was sich mit der Umsetzung des Brandschutzabkommens auch verbessert ist die Möglichkeit der Beschäftigten sich gewerkschaftlich zu organisieren. Das könnte besonders mit Blick auf die Zukunft nachhaltige Verbesserungen nach sich ziehen.

Das Abkommen ist ein wichtiger Schritt. Doch Banse ist realistisch: »Wir sprechen hier nur von der Konfektionierung, also den Nähereien - und nicht von den Webereien, Spinnereien oder Färbereien.« Auch sei das Abkommen nur auf Bangladesch beschränkt. Bis sich also an den miesen Bezahlungen, den harten Arbeitsbedingungen und langen Arbeitszeiten etwas ändert, wird wohl noch einige Zeit vergehen. auch gibt es Unternehmen, die das Abkommen bislang nicht unterzeichnet haben. Beispielsweise New Yorker oder Karstadt. Bei ersterem stehe man einer späteren Unterzeichnung aber »positiv gegenüber« , hieß es auf nd-Anfrage.

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